Hockenheim 2005

Montag, 26. Juli 2010

Ferrari steht über dem Reglement

Eine offensichtlich durchgeführte Stallregie zugunsten von Fernando Alonso wirft einen dunklen Schatten auf die ansonsten überragende Leistung Ferraris beim Grand Prix von Deutschland in Hockenheim.


Direkt nach dem Start konnten die beiden Ferrari-Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso die Führung des schlecht gestarteten Pole-Setters Sebastian Vettel übernehmen und die ersten beiden Plätze ungefährdet halten. Es war zwar offensichtlich, dass der an Position zwei liegende zweifache Ex-Weltmeister Alonso schneller fahren konnte als sein 29-jähriger brasilianscher Teamkollege, jedoch hätte Alonso Massa ohne einen Fehler des Brasilianers nicht überholen können. Der Funkspruch des Teams an Massa, der ihn zwar nicht direkt zum Platztausch mit Alonso aufforderte, ist als eine indirekte Aufforderung am Massa, Alonso überholen zu lassen zu verstehen.

Bereits im Vorfeld des Rennens forderte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, dass teamintern der in der Gesamtwertung besser platzierte Spanier Alonso gegenüber Massa zu bevorzugen sei. Aufgrund der Tatsache, dass offensichtliche Stallorder in der Formel-1 seit dem unsäglichen Ferrari-Manöver in Österreich 2002 verboten ist, wird die Teamleitung um Teamchef Stefano Domenicali seinem brasilianischen Piloten in diesem Zusammenhang verdeutlicht haben, wie er bestimmte codierte Funksprüche zu interpretieren hat. Mit dem Funkspruch an Massa, dass Alonso schneller ist, steht Ferrari zwar juristisch auf der sicheren Seite, die offensichtliche Art und Weise, wie Massa seinen Teamkollgen anschließend allerdings überholen ließ, sich das Team nach dem Rennen bei Massa für seine Kooperation bedankte und zugleich für den gestohlenen Sieg entschuldigte, verdeutlicht hingegen, dass es sich bei dem Manöver um eine eindeutige Stallregie gehandelt hat.

Ferrari stellt hierbei die eigenen Firmeninteressen über die des Sports. Nicht nur Massa wurde um den Sieg betrogen, sondern auch die Zuschauer an der Strecke und vor den Fernsehgeräten, die harte Positionskämpfe sehen wollen und nicht auf Anweisung der Teamführung herbei geführte Ergebnisse. Für Felipe Massa wäre ein Sieg zudem von großer Wichtigkeit gewesen, da er nach seinem schweren Unfall in Ungarn vor einem Jahr nicht mehr sein volles Leistungsvermögen abrufen kann. Wie viele andere Fahrer vor ihm, scheint auch Massa ein wenig an Geschwindigkeit und Kompromisslosigkeit eingebüßt zu haben. Der greifbar nahe Sieg in Hockenheim hätte dem Brasilianer das nötige Selbstvertrauen womöglich wiedergeben können und etwaige Zweifel beseitigt. Stattdessen hat Ferrari seinem lnagjährigen Fahrer deutlich gemacht, dass er nur die Nummer 2 im Team hinter Alonso ist, was sich auf Dauer negativ auf die Psyche eines Piloten und dessen Mannschaft auswirken kann.

Harte Strafe gegen Ferrari nötig

Nach dem Rennen verhängten die Rennkommissare zwar die für sie höchstmögliche Strafe von 100.000 $ und verwiesen den Fall an das Motorsport World Council, jedoch bezweifel ich, dass Ferrari dort eine gerechte Strafe erhält. Ferrari Präsident di Montezemolo wird im Vorfeld seine Kontakte zu FIA-Präsident Jean Todt spielen lassen und diesen auf seine erfolgreiche Vergangenheit als Teamchef bei Ferrari und die historisch gewachsene wichtige Rolle des italienischen Rennstalls in der Formel-1 hinweisen. Aufgrund der Sonderstellung Ferraris unter den zwölf Teams erwarte ich eine Heraufsetzung der Geldstrafe, die Ferrari finanziell jedoch nicht hart treffen wird. In meinen Augen müssen Ferrari endlich einmal Grenzen gesetzt werden. Bereits häufiger in der Vergangenheit versuchte der Rennstall auf Urteile des FIA-Gerichts durch Druckausübung im Vorfeld Einfluss zu nehmen. Ferrari ist zwar von großer Bedeutung für die Formel-1, jedoch nicht größer und wichtiger als der Sport selber. Aus diesem Grunde plädiere ich für einen zeitlich befristeten Ausschluss aus der Königsklasse des Motorsports. Ferrari wird feststellen, dass im Motorsport nur die Formel-1 die große weltumspannende Bühne drastellt und Motorsportkategorien, wie in den USA, oder das 24h-Rennen von Le Mans international deutlich weniger Aufmerksamkeit zuteil wird, als jedem einzelnen Formel-1-Rennen.