Mercedes mausert sich immer mehr zum ernsthaften Aspiraten auf den WM-Titel. Noch vor wenigen Monaten hätte es niemand für möglich gehalten. Doch am Mercedes-Rennstall führt in der Formel 1 kein Weg mehr vorbei. Die Kinderkrankheiten der vergangenen Jahre scheinen endgültig ausgeräumt zu sein. Sieben Pole Positionen aus zehn Rennen sprechen Bände. Doch nun scheinen die Mercedes-Boliden auch ihre signifikante Schwäche in den Rennen abgelegt zu haben. Nach zwei Siegen von Nico Rosberg konnte zuletzt auch Lewis Hamilton den ersten Saisonsieg für seinen neuen Arbeitgeber einfahren.
Dabei hat beim Blick auf die Wetterprognose keiner auch nur einen Pfifferling auf einen Mercedes-Erfolg gesetzt. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an die letzten Vorstellungen der Silberpfeile in den Rennen. Besonders bei hohen Strecken-temperaturen fielen die beiden deutsch-britischen Renner nach dem Erlischen der Startampel recht schnell wieder weit zurück. Die seit Jahren währenden Reifenprobleme schienen unlösbar zu sein und der Spagat zwischen dem Qualifying und dem Rennen wollte nur unter optimalen Bedingungen gelingen. Der Mercedes fraß seine Hinterreifen.
Ferrari verliert den Anschluß
Streckentemperaturen von 52 Grad Celsius, wie in Ungarn am vergangenen Sonntag, waren bislang das große Schreckgespenst. Doch der Knoten scheint endgültig geplatzt. Lewis Hamilton konnte den besten Startplatz ohne große Probleme bis zum Fallen der Zielflagge verteidigen. Red Bull muss sich vor diesen Silberpfeilen in Acht nehmen. In der Form von Ungarn waren die Mercedes sogar für Weltmeister Sebastian Vettel nicht zu knacken. Vettel wurde noch hinter Kimi Räikkönen im Lotus Dritter. Auch Ferrari fällt allmählich immer weiter zurück. Aus eigener Kraft kann Fernando Alonso derzeit nur Fünfter oder Sechster werden, abhängig von der Tagesform des zweiten Lotus-Piloten Romain Grosjean.
Gegen die Mercedes, Red Bull und Lotus ist ansonsten für Ferrari in der aktuellen Verfassung kein Kraut gewachsen. Die Boliden aus Maranello werden inzwischen sogar schon wieder zurückgerüstet, da keine der neuen Ausbaustufen eine Verbesserung verspricht. Die beiden Windkanäle am Firmensitz in Norditalien und bei Toyota in Köln scheinen keine wirklich verwertbaren Daten zu liefern. Auf der Rennstrecke kommen zumindest keine Verbesserungen an. Schon macht das Gerücht die Runde, dass Fernando Alonso der Geduldsfaden reißen könnte und der Asturier nächstes Jahr Mark Webber bei Red Bull beerben könnte. Doch zu einem Team bestehend aus Sebastian Vettel und Alonso wird es nicht kommen. Daniel Ricciardo hat derzeit die besten Karten auf den begehrten Platz im Weltmeister-Team.