In der Formel 1 ist schon längst nicht mehr alles Gold was glänzt. Der Lack ist zwar noch nicht ganz ab, aber er fängt ganz allmählich an zu bröckeln. Die Formel 1 muss sich dringend finanziellen Reformen unterziehen, sonst geht sie vor die Hunde. Dass nun selbst vermeintlich solide finanzierten Rennställen wie Sauber das Wasser zum Halse steht, sollte die Szene aufschrecken. Die Hinterbänkler kämpfen schon seit ihrem Einstieg im Jahr 2010 ums Überleben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vor Jahresfrist musste bereits beim spanisch-deutschen Rennstall von HRT der Stecker gezogen werden.
Marussia und Caterham erörterten vor dem Saisonstart bereits eine Fusion, aus der letztlich doch nichts wurde. Nun könnte also Sauber mit in den Sog gezogen werden. Die Formel 1 hat es in den vergangenen Jahren versäumt, auf die Notsignale zu hören. Es hätte dringend gegengesteuert werden. Wahrscheinlich war Max Mosleys Idee einer Budgetdeckelung im Nachhinein doch nicht so verkehrt. Der damalige FIA-Präsident wollte den Rennställen eine Obergrenze von 100 Mio. € aufs Auge drücken, doch die vielen verschiedenen Interessen der Teamoberen verhinderten die dringend nötige Einigung.
Das Problem der Formel 1 ist hausgemacht. Zwar sanken infolge der Weltwirtschaftskrise auch die Budgets der Team deutlich, doch sie sind für die meisten der privat geführten Rennställe immer noch utopisch hoch. Die Serie ist so hoch gerüstet, dass jedes Detail bis zur äußersten Perfektion weiter vorangetrieben wird. Und das kostet immer höhere Summen. Geld, das nur die großen Hersteller aufbringen können. Oder Teams die am Tropf eines Gönners hängen, wie etwa die Schwesterteams von Red Bull und Toro Rosso. Doch was passiert, wenn die Gönner oder Hersteller einmal die Lust an der Formel 1 verlieren? Die Wahrscheinlichkeit, dass sich kein Käufer für die ausgemusterten Teams findet ist groß. Nach den Austritten von Honda, Toyota und BMW sah es noch anders aus. Zumindest BMW und Honda gingen nach einigem Hin und Her in private Hände über bzw. zurück.
Kosten müssen sinkenDennoch könnte sich das Feld schneller ausdünnen, als es den meisten Beteiligten lieb sein kann. Früher wurden die Rennställe bis auf wenige Ausnahmen privat geführt. Ferrari war immer die Ausnahme. Wenn ein Motorenhersteller austrat, konnte schnell Ersatz gefunden werden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Ab dem kommenden Jahr gibt es etwa nur noch drei Motorenhersteller, die sich das Geschäft leisten können. Sollten zwei die Reißleine ziehen, wäre die Formel 1 eine Einheitsserie - zumindest auf der Motorenseite. Ein Trend der mit Sicherheit nicht gesund ist. Die Kosten der neuen Motorenformel sind derart explodiert, dass sich kein privater Hersteller die Entwicklung mehr leisten kann.
Auf der Teamseite könnte spätestens 2014 das böse Erwachen kommen, wenn die Leasingraten für die Antriebe entrichtet werden müssen. Kosten von über 20 Mio. € sind dann fällig. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass beim Saisonstart in Melbourne keine 12 Teams mehr in der Startaufstellung stehen. Sponsoren werden durch Erfolg angezogen, so dass die Hinterbänkler immer größere Probleme haben, Gelder an Land zu ziehen.
Sollte der Erfolg jedoch ausbleiben, könnte es erneut den ein oder anderen Abschied geben. Man denke nur an Toyota und Honda. Aus diesem Grunde müssen die Ausgaben gesenkt und wieder für Privatpersonen erschwinglich werden. Nur wenn Motorsportfans vom Schlage eines Frank Williams oder Peter Sauber wieder in der Lage sind, Erfolg zu haben, geht es der Königsklasse gut. Solche Leute sind die einzige Konstante der Serie. Guter Motorsport ist nicht unbedingt vom großen Geld abhängig.
In der amerikanischen IndyCar-Serie wird mit einem Bruchteil der finanziellen Aufwendungen toller Motorsport geboten. Gleiches gilt auch für die Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. Beim vergangenen Formel 1-Rennen in der Eifel fanden sich übrigens so wenige Zuschauer auf den Tribünen ein, wie schon seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr. Auch dort sind die Eintrittspreise einfach nicht mehr zeitgemäß.
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