Die Formel 1 macht Sommerpause. Fünf Wochen lang stehen die Boliden still. Besonders entspannt kann Fernando Alonso seinen Urlaub angehen. Der spanische Ferrari-Pilot führt nach elf von insgesamt zwanzig Läufen die Weltmeisterschaftswertung mit 40 Punkten Vorsprung vor Mark Webber an.
Alonso befindet sich derzeit in bestechender Form. Der 31-Jährige fährt die wahrscheinlich beste Saison seiner Karriere. Was Alonso aus seinem nicht wirklich siegfähigen Fahrzeug herausholt ist schier unglaublich. Fehlerlos punktet der zweifache Ex-Weltmeister bei jedem Rennen und profitiert davon, dass seine direkten Konkurrenten nur unbeständig unterwegs sind.
Ein Beispiel dafür liefert der vergangene Ungarn Grand Prix. Obwohl Alonso in Ungarn nur Fünfter wurde, konnte er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter ausbauen. Sein erster Verfolger, Mark Webber, kam zwei Plätze hinter dem 30-fachen Grand Prix-Sieger ins Ziel. Die Konkurrenten des Spaniers nehmen sich gegenseitig Punkte weg - Alonso profitiert.
Fernando Alonso ist der einzige Pilot, der in der laufenden Saison bislang drei Rennen gewinnen konnte. Der direkte Vergleich mit seinem Teamkollegen sieht für Felipe Massa niederschmetternd aus. Alonso konnte bisher fast sechsmal so viele Punkte einfahren wie der Brasilianer. Und dass, obwohl sich Massa nach schlechtem Saisonbeginn ganz allmählich wieder zu fangen scheint. Das Trainingsduell zwischen den beiden Ferrari-Piloten spricht bei einem Stand von 11:0 eine deutliche Sprache zugunsten Alonsos.
Unbestänidge Verfolger
Obwohl Mark Webber auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung rangiert, scheinen Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen für Alonso die größere Gefahr im Kampf um den Weltmeistertitel darzustellen. Bis auf Räikkönen unterliegen aber auch sie zu großen Schwankungen. Kimi Räikkönen arbeitet sich derweil mit guten Ergebnissen immer weiter vor.
Wenn nur nicht die verhältnismäßig schlechten Startpositionen wären, hätte auch der Finne schon den ein oder anderen Sieg eingefahren. Leider wachen Räikkönen und sein Lotus immer erst in der zweiten Rennhälfte auf. In Ungarn führte ihn die Aufholjagd am Ende bis auf den zweiten Platz nach vorne. Bei einem besseren Startplatz als Position sechs, wäre in Ungarn für den Lotus-Piloten mehr drin gewesen als Platz zwei.
Neben Alonso sticht in meinen Augen fahrerisch bisher Räikkönens Teamkollege Romain Grosjean besonders heraus. Auch wenn der junge Franzose oftmals in den ersten Runden eines Grand Prix zu ungestüm zu Werke geht, indem er in Kollisionen verwickelt ist, ist sein Rennspeed offensichtlich. Nach seinem durchaus kritikwürdigen Formel 1-Einstand Ende 2009 hat Grosjean eine beeindruckende Entwicklung durchlebt. Sein Abstieg in die GP2-Kategorie, den er 2011 mit dem Gewinn der Meisterschaft krönte, scheint dem Selbstbewusstsein des zweiten Rückkehrers in Reihen des Lotus-Rennstalls gut getan zu haben.
Etwas durchwachsen sieht hingegen die Bilanz von Michael Schumacher und dem Mercedes-Rennstall aus. Nach einem durchaus vielversprechenden Saisonstart und dem Sieg von Nico Rosberg in China, scheint die Truppe um Teamchef Ross Brawn etwas ins Hintertreffen geraten zu sein. Besonders unter trockenen Bedingungen dümpelt die silberne Mannschaft nur noch im Mittelfeld herum. Von weiteren Glanzlichtern ist man zur Zeit meilenweit entfernt. Auch Schumacher macht in seiner zweiten Karriere immer noch zu viele Fehler. In Ungarn parkte er auf dem falschen Startplatz und provozierte somit einen Startabbruch. Schumacher startete letztlich aus der Boxengasse. Er beendete den Grand Prix kurz vor dem Rennende aus taktischen Gründen aus.
McLaren scheint im Gegensatz zu Mercedes die Trendwende eingeleitet zu haben. Nach einer sehr durchwachsenen ersten Saisonhälfte, konnte sich der Traditionsrennstall aus Woking zuletzt wieder etwas freischwimmen. Der Sieg von Lewis Hamilton in Ungarn unterstreicht den Aufwärtstrend. Gestärkt geht die Truppe in die Sommerpause. Die letzten Updates an den Boliden scheinen zu funktionieren.