Sebastian Vettel und sein Red Bull-Team sind wieder in der Spur. Mit seinem vierten Saisonsieg konnte der Deutsche, vier Rennen vor Schluss, die Führung in der Gesamtwertung von Fernando Alonso übernehmen.
Die aktuelle Formel 1-Saison ist unvorhersehbar. Noch Mitte September schienen die McLaren beinahe unschlagbar zu sein. Nun hat sich das Blatt zugunsten von Red Bull wendet - einer Technikoffensive sei Dank. Während sich McLaren momentan schwertut, das passende Set-Up für die Boliden von Lewis Hamilton und Jenson Button auszuarbeiten, nutzte Sebastian Vettel die Gunst der Stunde und holte aus drei Rennen die maximal mögliche Punktzahl von 75 Zählern. Durch die beiden unverschuldeten Startunfälle von Fernando Alonso in den Startrunden von Spa und Suzuka, konnte Sebastian Vettel innerhalb kürzester Zeit einen Rückstand von 42 Zählern in einen Sieben-Punktevorsprung umwandeln.
Red Bull entwickelt derzeit aggressiver und effizienter als die direkte Konkurrenz um die Vergabe der Weltmeistertitel. Während bei Ferrari derzeit nur Kleinteile an die Autos kommen, ändert Red Bull die Grundstruktur der Autos komplett. In Singapur kam ein sich um die Horizontalachse verdrehender Frontflügel an die Autos, durch den ein effizienteres Anströmen des Diffusors gewährleistet werden konnte. Dadurch stieg der Anpressdruck im Heck merklich an, was eine höhere Kurvengeschwindigkeit nach sich zog.
Ebenfalls in Singapur brachte Red Bull ein Doppel-DR-System zur Einsatzreife, bei dem es auch am unteren Heckflügelelement zu einem kontrollierten Strömungsabriss kommt. Dazu wurden Luftkanäle vom Hauptblatt des Heckflügels durch die Seitenteile verlegt - ein Aufwand, den sich andere Teams während der Saison nicht erlauben können. Von der Neuerung profitieren die Piloten besonders in der Qualifikation, wo bei jeder sich bietenden Gelegenheit DRS eingesetzt werden darf.
Der doppelte Strömungsabriss zieht eine höhere Endgeschwindigkeit nach sich und erlaubt es, die Flügel gleichzeitig steiler zu stellen, was wiederum zu höheren Kurvengeschwindigkeiten führt. Die Anstrengungen der Technikertruppe aus Milton Keynes haben Sebastian Vettel innerhalb weniger Wochen in eine aussichtsreiche Position gebracht, um seinen dritten Weltmeistertitel in Folge zu gewinnen. Zwei Startkollisionen des ansonsten fehlerfrei agierenden Fernando Alonso sei Dank.
Hamilton übernimmt Cockpit von Michael SchumacherDer zuletzt für seine Startkollisionen vielgescholtene Romain Grosjean scheint seine Lektion gelernt zu haben. Acht Unfälle in der Startphase gehen auf das Konto des für Frankreich fahrenden Schweizers. Nach seinem erneuten Aussetzer in Japan, agierte Grosjean in Korea zuletzt auffällig zurückhaltend. Er hielt sich besonders in der Startphase deutlich zurück.
Felipe Masse hingegen ist wieder zu alter Form zurückgekehrt. In Korea war der zweite Mann bei Ferrari sogar schneller unterwegs, als Teamkapitän Fernando Alonso. Mit zuletzt drei guten Rennen in Folge hat Massa die Fahrkarte bei Ferrari auch für die kommende Saison gelöst. Massa wird 2013 seine achte Saison für das Team aus Maranello bestreiten. An der Seite von Alonso wird Massa zwar nicht mehr in der Lage sein, um die Weltmeisterschaft mitzufahren, aber in der momentanen Form könnten einige Achtungserfolge für den loyalen Brasilianer rausspringen.
Das Fahrerkarussell in der Formel 1 hat nach dem überraschenden Wechsel von Lewis Hamilton zu Mercedes Fahrt aufgenommen. Hamilton löst bei Mercedes Michael Schumacher ab, der, nach drei glücklosen Jahren in Silber, zum Saisonende seine Karriere endgültig beenden wird. Ob sich Hamilton mit dem Wechsel von McLaren zu Mercedes allerdings einen Gefallen tut, ist mehr als fraglich.
Auch im dritten Jahr seit der Übernahme des Weltmeisterteams von BrawnGP durch Mercedes, wollte sich der Erfolg nicht so richtig einstellen. Selbst der Einkauf von namhaften Technikern konnte den Rennstall nicht auf den Pfad der Tugenden führen. Ein Achtungserfolg durch Nico Rosberg in China blieb die Ausnahme. Seitdem geht es mit dem Team stetig bergab. Inzwischen ist Mercedes sogar noch hinter Privatteams wie Sauber und Force India zurückgefallen.
McLaren hingegen kämpft seit jeher konstant um WM-Titel. Lewis Hamilton ist Mitglied der Truppe aus dem englischen Woking seit nunmehr 17 Jahren. Er kennt das Team in und auswendig. Sollte Hamilton bei Mercedes nur um die hinteren Punkteränge kämpfen, könnte der Brite relativ schnell die Motivation verlieren. Eine hohe Fehler- und Ausfallquote wäre die Folge.