Hockenheim 2005

Montag, 26. November 2012

Sebastian Vettel zum dritten Mal in Folge Formel 1-Weltmeister

Sebastian Vettel schreibt die Rekordbücher der Formel 1 weiter um. Nach einem ereignisreichen Rennen im brasilianischen Sao Paulo reichte dem 25-jährigen Heppenheimer ein sechster Platz, um sich den dritten Weltmeistertitel in Folge zu sichern.

Vettel krönte die erst fünfte komplette Formel 1-Saison seiner Karriere mit dem dritten Titel. Der Red Bull-Pilot ist damit der erste Fahrer der Formel 1-Geschichte, der seinen ersten Weltmeistertitel zwei Mal erfolgreich verteidigen konnte. Mit dem Gewinn der dritten Weltmeisterschaft steigt Vettel in den illustren Kreis der dreifachen Titelträger der Königsklasse auf. Mit erst 25 Jahren steht Vettel nun auf einer Stufe mit Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda, Nelson Piquet und Ayrton Senna. Lediglich Alain Prost, Juan-Manuel Fangio und Michael Schumacher haben mehr Titel gewonnen als der Deutsche.

Hülkenberg mit Glanzleistung

Der Zweikampf um die Weltmeisterschaft zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso stellte den spektakulären Kampf um die Spitzenpositionen in den Hintergrund. Während Vettel bereits in der vierten Kurve von Bruno Senna umgedreht wurde und daraufhin das Feld von hinten aufrollen musste, kam es vorne zu einem Dreikampf zwischen den beiden McLaren-Piloten und Nico Hülkenberg. Hülkenberg führte im Force India das Feld sogar lange Zeit an. Lediglich der immer wieder einsetzende Regen führte zu einem Quersteher, den Lewis Hamilton prompt ausnutzte. Doch Hülkenberg gab nicht auf. Der Emmericher setzte fünf Runden später zum erneuten Überholmanöver an. Dabei verlor er auf einer feuchten Stelle das Heck seines Boliden und beförderte den neben ihm fahrenden Lewis Hamilton ins Aus.

Hülkenberg konnte zwar weiterfahren, eine Durchfahrtsstrafe brachte ihn allerdings um die verdienten Lorbeeren. Ohne die völlig zu Unrecht gegen ihn verhängte Strafe wäre der ebenfalls 25-Jährige mindestens Zweiter geworden und hätte damit zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere auf dem Podest gestanden. Brasilien scheint Hülkenberg Glück zu bringen. Zwei Jahre nach seiner ersten Pole Position sammelte der Deutsche an gleicher Stelle seine ersten Führungskilometer. Über weite Strecken war er der schnellste Mann auf der Strecke. Bei Mischverhältnissen zeigt sich, aus welchem Holz die Fahrer geschnitzt sind. Hülkenberg steht eine große Karriere in der Formel 1 bevor. Sollte Sauber in der kommenden Saison ein ähnlich gutes Auto auf die Räder stellen, wie in der abgelaufenen Saison, könnte Hülkenberg womöglich den ein oder anderen Grand Prix-Sieg einfahren.

Die Saison hätte zwei Weltmeister verdient

Sebastian Vettel gewann die Weltmeisterschaft letztlich mit drei Punkten Vorsprung vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso. Vettel, der mit fünf Siegen 2012 auch die meisten Rennen gewinnen konnte, verdient zwar den Titel - Die fahrerisch höher einzustufende Leistung hat allerdings sein Konkurrent Alonso abgeliefert. Ohne die beiden unverschuldeten Startkarambolagen in Spa und Suzuka wäre der Spanier wohl Weltmeister geworden.

Alonso fuhr eine bemerkenswerte Saison. Fehlerlos holte der 31-Jährige über das gesamte Jahr gesehen das absolute Maximum aus dem unterlegenen Ferrari. Dreizehn Podestplätze sprechen Bände. Zwei seiner drei Saisonsiege holte Alonso lediglich aufgrund seiner unglaublichen Rennintelligenz. Sollte es Ferrari kommende Saison gelingen, ein von Saisonbeginn an gutes Rennauto an den Start zu bringen, wird Fernando Alonso in der aktuellen Form auch für Vettel nur schwer zu schlagen sein.

Michael Schumacher beendet seine Karriere endgültig

In Sao Paulo ging nebenbei die erfolgreichste Motorsportkarriere der Formel 1-Geschichte zu Ende. Auf Platz sieben verabschiedete sich Michael Schumacher in den wohlverdienten Ruhestand. Leider war seine zweite Karriere nicht von dem Erfolg gekrönt, den sich alle Beteiligten erhofft hatten. Dennoch kann Schumacher erhobenen Hauptes den Helm an den Nagel hängen. Das letzte Jahr seines Comebacks war das Beste seit seiner Rückkehr 2010.

Trotz vieler technischer Gebrechen an seinem Mercedes konnte der 43-jährige Rekordweltmeister einige Glanzlichter setzen. Sein letzter Grand Prix zählt mit Sicherheit dazu. Nach einem Reifenschaden ans Ende des Feldes zurückgeworfen musste auch Schumacher sich wieder nach vorne durchkämpfen. Seine Glückszahl „sieben“ bedeutete das Ende der Fahnenstange. Erstmals in den vergangenen drei Jahren konnte der Deutsche das teaminterne Trainingduell gegen Kollege Rosberg mit 10:10 unentschieden beenden. Der große Punkteunterschied zwischen den beiden Mercedes-Piloten ist in erster Linie auf Schumachers Technikpech zurückzuführen und somit zu vernachlässigen. Schumacher wird der Formel 1 fehlen!

Ach ja, den Grand Prix in Brasilien gewann übrigens Jenson Button im McLaren-Mercedes. Bei einmal mehr schwierigen äusseren Bedingungen fuhr Jenson Button fehlerlos zu seinem dritten Saison- und insgesamt 15. Karrieresieg.

Montag, 5. November 2012

Kimi Räikkönen holt in Abu Dhabi den ersten Sieg seit seinem Comeback

Lotus-Pilot Kimi Räikkönen hat seine Comeback-Saison mit dem ersten Saisonsieg gekrönt. Nach einem überaus ereignisreichen Rennen in Abu Dhabi setzte sich der finnische Ex-Weltmeister gegen Fernando Alonso und Sebastian Vettel durch.

Von wegen Langeweile. In Abu Dhabi wurde wider Erwarten Motorsport vom Feinsten geboten – und das ohne auch nur einen Tropfen Regen. Ein wichtiger Aspekt dabei war die Tatsache, dass WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel wegen 350 ml zu knapp berechneten Restbenzins im Tank seines Red Bull an das Ende der Startaufstellung strafversetzt wurde. Da Vettel nach Zweikämpfen mit Bruno Senna und Daniel Ricciardo zum Wechsel des Frontspoilers die Boxen aufsuchen musste, pflügte der 25-jährige Deutsche insgesamt zwei Mal durch das 24-köpfige Starterfeld. Am Ende reichte es für Vettel zu Platz drei - unmittelbar hinter seinem einzig verbliebenen Rivalen um den diesjährigen WM-Titel, Fernando Alonso.

Die Mannschaft des Energydrink-Herstellers agierte dabei einmal mehr sehr überlegt. Bereits kurze Zeit, nachdem die Strafe gegen Vettel ausgesprochen wurde, entschied die Teamführung, den zweifachen Weltmeister aus der Boxengasse starten zu lassen. Dadurch konnten die strengen Parc Ferme-Regeln umgangen und wichtige Veränderungen an Vettels Auto vorgenommen werden - etwa in Bezug auf die Höchstgeschwindigkeit des Red Bull mit der Startnummer 1. Die Getriebeübersetzung wurde angepasst und die Spoiler flacher gestellt. Auf diese Weise konnte auch der etwas brustschwache Renault im Heck des Red Bull zu Überholvorgängen beitragen. Vettels Auto glänzt seit langem eher mit einer ausgeklügelten Aerodynamik als mit purer Motorleistung.

Ferrari weiterhin mit Qualifikationsschwäche

Vettel, der ansonsten die Rennen von der Spitze aus dominiert, bewies einmal mehr seinen Kampfgeist und strafte seine Kritiker Lügen. Schon oft wurde dem mittlerweile 25-fachen Grand Prix-Sieger vorgeworfen, zu zögerlich in Zweikämpfen zu agieren und überhaupt nur durch seinen technisch überlegenen Red Bull in der Position zu sein, Siege und WM-Titel einfahren zu können. Fernando Alonso, der die beste Saison seiner Karriere fährt, konnte den Elfmeter, der ihm durch Vettels Strafversetzung geschenkt wurde, nur bedingt nutzen. Den mittlerweile obligatorischen schlechten Startplatz machte Alonso im Rennen einmal mehr wett. Allerdings gilt auch weiterhin, dass Ferrari noch immer nicht siegfähig ist. Am Ende reichte es für Alonso nur zum zweiten Platz.

Der Ferrari hat sich seit Saisonbeginn zwar gesteigert – so ist er deutlich einfacher zu fahren und gutmütiger als noch in der ersten Saisonhälfte. Dennoch mangelt es dem roten Boliden weiterhin an Top-Speed durch das DR-System, auf den es besonders in der Qualifikation ankommt. Im Gegensatz zum Rennen darf der Heckspoiler dort bei jeder sich bietenden Gelegenheit flachgestellt werden. Hier liegt weiterhin die Achillesferse des diesjährigen Ferrari. Wenn Ferrari Vettel am dritten Titelgewinn in Folge noch hindern will, müssen in den beiden noch ausstehenden Rennen dringend bessere Startpositionen für Alonso herausspringen. Falls Alonso in Austin und Sao Paulo erneut aus der dritten Startreihe ins Rennen gehen sollte, ist der Red Bull-Express mit Sebastian Vettel an der Spitze womöglich schon wieder an der Spitze des Feldes enteilt. Bis sich Alonso nach vorne durchgekämpft und den Anschluss hergestellt hat, ist es dann meistens schon zu spät.

Räikkönen mit tollem Comeback

Schnellster Mann in Abu Dhabi war ein anderer. McLaren-Fahrer Lewis Hamilton wurde allerdings einmal mehr durch technische Gebrechen seines McLaren um den fast schon sicheren Sieg gebracht. Diesmal streikte an seinem Auto die Benzinpumpe. In Führung liegend rollte Hamilton aus und machte den Weg für Kimi Räikkönen im Lotus frei. Weshalb die beiden McLaren in der zweiten Saisonhälfte so sehr vom Defektteufel heimgesucht werden bleibt ein Rätsel. Auch hier besteht Handlungsbedarf.

Kimi Räikkönen katapultierte sich mit einem hervorragenden Start vom fünften Startplatz auf dem Weg in die erste Kurve bis auf den zweiten Rang nach vorne. In Runde 19 profitierte der 33-jährige Finne zwar von Hamiltons Ausfall, aber dennoch bekam er den ersten Sieg seit seiner Rückkehr in die Formel 1 nicht geschenkt. Zu groß war der Druck von Fernando Alonso in seinen Rückspiegeln.

Räikkönen besticht dieses Jahr ganz besonders durch seine abgeklärte und coole Art. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass er sich während seiner zweijährigen Formel 1-Abstinenz und seinem Gastspiel in der Rallye-WM nicht den Fahrstil zerstört hat. Räikkönen kam Anfang des Jahres so in die Königsklasse zurück, als wäre er nie weg gewesen. Bisher beinahe fehlerlos unterwegs, war sein erster Sieg schon längst überfällig. Nach zuletzt etwas schwächeren Rennen seines Lotus-Rennstalls könnte in Abu Dhabi für den schwarz-goldenen Rennstall die Kehrtwende eingeleitet worden zu sein.