Hockenheim 2005

Montag, 25. März 2013

Vettel holt in Sepang ersten Saisonsieg

Reifenhersteller Pirelli stand vor dem zweiten Saisonlauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft in Malaysia im Brennpunkt des Interesses. Eine gebrochene Stallorder bei Red Bull lässt die Diskussionen um die kurzlebigen Reifen aus Italien nun jedoch in den Hintergrund rücken.

Die Reifen von Pirelli waren in den vergangenen Monaten das Thema schlechthin in der Formel 1. Kaum jemand aus dem Fahrerlager konnte sich mit den äußerst kurzlebigen Slicks des italienischen Reifengiganten bislang anfreunden. Nach Kimi Räikkönens Überraschungssieg beim Auftakt in Melbourne war der Aufschrei der Favoriten dementsprechend groß. Gewann doch in Melbourne nicht das beste Fahrzeug, sondern das reifenschonendste. Aerodynamisch und mechanisch produzierter Abtrieb scheint bei der diesjährigen Reifengeneration nicht mehr die Patentlösung auf Erfolge zu sein.

Erhöhte Kurvengeschwindigkeiten infolge hohen Abtriebs der Formel 1-Boliden lassen die Reifen übermäßig einbrechen. In der Vergangenheit war dies genau anders herum. Bereits nach wenigen Runden müssen die weichen Reifenmischungen ausgetauscht werden. Mit dieser Politik folgt Pirelli jedoch einzig und allein den Vorgaben der mächtigen Funktionäre des Sports, die erkannt haben, dass möglichst kurzlebige Reifen der Show auf der Strecke zuträglich sind. Ein Blick in die Vergangenheit macht allerdings deutlich, dass nach etwa einem Drittel der Saison die große Mehrheit der Formel 1-Teams den Umgang mit den Reifen verstanden hat und die Autos dementsprechend auf die Gegebenheiten abzustimmen weiß.

Red Bull auch 2013 mit dem besten Auto im Feld

Nicht zuletzt ist die Formel 1 ein Wettbewerb großer Weltkonzerne, die sich auch in der freien Wirtschaft großen Herausforderungen stellen müssen – da macht die Formel 1 keine Ausnahme. Nichtsdestotrotz wird sich über den gesamten Saisonverlauf an der gewohnten Hackordnung nicht viel ändern. Red Bull hat auch im Jahr 2013 das beste Auto auf die Räder gestellt. Es folgen Ferrari und Mercedes. Beide Rennställe haben sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich gesteigert. Hinter Mercedes liegt derzeit das Lotus-Team mit der Speerspitze Kimi Räikkönen an Bord.

Enttäuschend hat bisher das McLaren-Team abgeschnitten. Nach dem Wechsel von Lewis Hamilton zur Konkurrenz von Mercedes, ist der Traditionsrennstall aus dem englischen Woking nur noch auf dem hinteren Punkterängen wiederzufinden. Die Erfahrung zeigt aber, dass McLaren schon häufiger binnen Jahresfrist zurückschlagen konnte. Im Vergleich zum Saisonauftakt in Melbourne, ließ sich eine Woche später bereits ein deutlicher Aufwärtstrend erkennen, der sich im weiteren Saisonverlauf fortsetzen wird.

Die bisherigen beiden Rennen waren von leichten Regenschauern beeinflusst, die den Rennverlauf maßgeblich mitprägten. Besonders in den Qualifyings konnte Sebastian Vettel seine momentane Ausnahmestellung eindrucksvoll unter Beweis stellen. Sowohl in Australien als auch in Malaysia fuhr der 25-jährige Dreifachweltmeister überlegen auf den besten Startplatz. Diese Überlegenheit konnte Vettel bei beiden Veranstaltungen jedoch nicht mit in die Rennen rüberretten. In Melbourne wurde der Red Bull-Pilot gerade noch Dritter. Während in Malaysia sein Teamkollege, aufgrund einer besseren Strategie, lange Zeit die besten Karten auf den Sieg in Händen hielt.

Vettel missachtet Stallregie

Nach der letzten Runde der Boxenstopps schienen in Sepang die Positionen an der Spitze bezogen. Mark Webber lag mehr oder weniger komfortabel vor Sebastian Vettel an der Spitze des Feldes. Webber schaltete bereits in den Schongang um, als Vettel sich mit einem harten Manöver an ihm vorbeipresste. Und dass, obwohl von der Teamleitung per Funk die Order herausgegeben wurde, Positionen zu halten und den Doppelsieg sicher nach Hause zu bringen.

Auch wenn Sebastian Vettel nun für seine vermeintlich unsportliche und unfaire Aktion kritisiert wird, möchte ich eine Lanze für ihn brechen. Vettel ist ein Racer durch und durch. Er kämpft solange, bis die Zielflagge fällt. Vettel ist zudem bereit hohe Risiken im Kampf um jeden einzelnen WM-Punkt einzugehen – ein Aspekt, der ihn von vielen seiner Konkurrenten in der Startaufstellung unterscheidet. Genau das aber macht die absoluten Spitzenleute aus. Michael Schumacher und Ayrton Senna waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Die beiden Superstars aus vergangenen Tagen, sind unter anderem auch deswegen unvergessen.

Mark Webber sollte inzwischen wissen, was für ein Kaliber Sebastian Vettel auf der Rennstrecke ist. Wenn sich ihm die Chance auf den Sieg bietet, setzt er alles daran, sie zu nutzen. Genau darauf kommt es in der Formel 1 an. Am Jahresende könnten Vettel eben die sieben Punkte Differenz zwischen dem ersten und dem zweiten Platz aus Malaysia in der Endabrechnung fehlen. Hätte Vettel in den Saisons 2010 und 2012 sieben Punkte weniger am Jahresende auf dem Konto gehabt, hätte der Hepenheimer zwei WM-Titel weniger vorzuweisen. Auch wegen seines unbändigen Siegeswillens ist Sebastian Vettel bereits mit 25 Jahren dreifacher Weltmeister und auf dem besten Wege, Michael Schumachers Rekorde zu brechen. Wer in der Formel 1 Rennen gewinnen will, sollte mit allen Wassern gewaschen sein und auch hart für jeden einzelnen Sieg kämpfen! So auch Mark Webber.