Hockenheim 2005

Montag, 26. November 2012

Sebastian Vettel zum dritten Mal in Folge Formel 1-Weltmeister

Sebastian Vettel schreibt die Rekordbücher der Formel 1 weiter um. Nach einem ereignisreichen Rennen im brasilianischen Sao Paulo reichte dem 25-jährigen Heppenheimer ein sechster Platz, um sich den dritten Weltmeistertitel in Folge zu sichern.

Vettel krönte die erst fünfte komplette Formel 1-Saison seiner Karriere mit dem dritten Titel. Der Red Bull-Pilot ist damit der erste Fahrer der Formel 1-Geschichte, der seinen ersten Weltmeistertitel zwei Mal erfolgreich verteidigen konnte. Mit dem Gewinn der dritten Weltmeisterschaft steigt Vettel in den illustren Kreis der dreifachen Titelträger der Königsklasse auf. Mit erst 25 Jahren steht Vettel nun auf einer Stufe mit Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda, Nelson Piquet und Ayrton Senna. Lediglich Alain Prost, Juan-Manuel Fangio und Michael Schumacher haben mehr Titel gewonnen als der Deutsche.

Hülkenberg mit Glanzleistung

Der Zweikampf um die Weltmeisterschaft zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso stellte den spektakulären Kampf um die Spitzenpositionen in den Hintergrund. Während Vettel bereits in der vierten Kurve von Bruno Senna umgedreht wurde und daraufhin das Feld von hinten aufrollen musste, kam es vorne zu einem Dreikampf zwischen den beiden McLaren-Piloten und Nico Hülkenberg. Hülkenberg führte im Force India das Feld sogar lange Zeit an. Lediglich der immer wieder einsetzende Regen führte zu einem Quersteher, den Lewis Hamilton prompt ausnutzte. Doch Hülkenberg gab nicht auf. Der Emmericher setzte fünf Runden später zum erneuten Überholmanöver an. Dabei verlor er auf einer feuchten Stelle das Heck seines Boliden und beförderte den neben ihm fahrenden Lewis Hamilton ins Aus.

Hülkenberg konnte zwar weiterfahren, eine Durchfahrtsstrafe brachte ihn allerdings um die verdienten Lorbeeren. Ohne die völlig zu Unrecht gegen ihn verhängte Strafe wäre der ebenfalls 25-Jährige mindestens Zweiter geworden und hätte damit zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere auf dem Podest gestanden. Brasilien scheint Hülkenberg Glück zu bringen. Zwei Jahre nach seiner ersten Pole Position sammelte der Deutsche an gleicher Stelle seine ersten Führungskilometer. Über weite Strecken war er der schnellste Mann auf der Strecke. Bei Mischverhältnissen zeigt sich, aus welchem Holz die Fahrer geschnitzt sind. Hülkenberg steht eine große Karriere in der Formel 1 bevor. Sollte Sauber in der kommenden Saison ein ähnlich gutes Auto auf die Räder stellen, wie in der abgelaufenen Saison, könnte Hülkenberg womöglich den ein oder anderen Grand Prix-Sieg einfahren.

Die Saison hätte zwei Weltmeister verdient

Sebastian Vettel gewann die Weltmeisterschaft letztlich mit drei Punkten Vorsprung vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso. Vettel, der mit fünf Siegen 2012 auch die meisten Rennen gewinnen konnte, verdient zwar den Titel - Die fahrerisch höher einzustufende Leistung hat allerdings sein Konkurrent Alonso abgeliefert. Ohne die beiden unverschuldeten Startkarambolagen in Spa und Suzuka wäre der Spanier wohl Weltmeister geworden.

Alonso fuhr eine bemerkenswerte Saison. Fehlerlos holte der 31-Jährige über das gesamte Jahr gesehen das absolute Maximum aus dem unterlegenen Ferrari. Dreizehn Podestplätze sprechen Bände. Zwei seiner drei Saisonsiege holte Alonso lediglich aufgrund seiner unglaublichen Rennintelligenz. Sollte es Ferrari kommende Saison gelingen, ein von Saisonbeginn an gutes Rennauto an den Start zu bringen, wird Fernando Alonso in der aktuellen Form auch für Vettel nur schwer zu schlagen sein.

Michael Schumacher beendet seine Karriere endgültig

In Sao Paulo ging nebenbei die erfolgreichste Motorsportkarriere der Formel 1-Geschichte zu Ende. Auf Platz sieben verabschiedete sich Michael Schumacher in den wohlverdienten Ruhestand. Leider war seine zweite Karriere nicht von dem Erfolg gekrönt, den sich alle Beteiligten erhofft hatten. Dennoch kann Schumacher erhobenen Hauptes den Helm an den Nagel hängen. Das letzte Jahr seines Comebacks war das Beste seit seiner Rückkehr 2010.

Trotz vieler technischer Gebrechen an seinem Mercedes konnte der 43-jährige Rekordweltmeister einige Glanzlichter setzen. Sein letzter Grand Prix zählt mit Sicherheit dazu. Nach einem Reifenschaden ans Ende des Feldes zurückgeworfen musste auch Schumacher sich wieder nach vorne durchkämpfen. Seine Glückszahl „sieben“ bedeutete das Ende der Fahnenstange. Erstmals in den vergangenen drei Jahren konnte der Deutsche das teaminterne Trainingduell gegen Kollege Rosberg mit 10:10 unentschieden beenden. Der große Punkteunterschied zwischen den beiden Mercedes-Piloten ist in erster Linie auf Schumachers Technikpech zurückzuführen und somit zu vernachlässigen. Schumacher wird der Formel 1 fehlen!

Ach ja, den Grand Prix in Brasilien gewann übrigens Jenson Button im McLaren-Mercedes. Bei einmal mehr schwierigen äusseren Bedingungen fuhr Jenson Button fehlerlos zu seinem dritten Saison- und insgesamt 15. Karrieresieg.

Montag, 5. November 2012

Kimi Räikkönen holt in Abu Dhabi den ersten Sieg seit seinem Comeback

Lotus-Pilot Kimi Räikkönen hat seine Comeback-Saison mit dem ersten Saisonsieg gekrönt. Nach einem überaus ereignisreichen Rennen in Abu Dhabi setzte sich der finnische Ex-Weltmeister gegen Fernando Alonso und Sebastian Vettel durch.

Von wegen Langeweile. In Abu Dhabi wurde wider Erwarten Motorsport vom Feinsten geboten – und das ohne auch nur einen Tropfen Regen. Ein wichtiger Aspekt dabei war die Tatsache, dass WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel wegen 350 ml zu knapp berechneten Restbenzins im Tank seines Red Bull an das Ende der Startaufstellung strafversetzt wurde. Da Vettel nach Zweikämpfen mit Bruno Senna und Daniel Ricciardo zum Wechsel des Frontspoilers die Boxen aufsuchen musste, pflügte der 25-jährige Deutsche insgesamt zwei Mal durch das 24-köpfige Starterfeld. Am Ende reichte es für Vettel zu Platz drei - unmittelbar hinter seinem einzig verbliebenen Rivalen um den diesjährigen WM-Titel, Fernando Alonso.

Die Mannschaft des Energydrink-Herstellers agierte dabei einmal mehr sehr überlegt. Bereits kurze Zeit, nachdem die Strafe gegen Vettel ausgesprochen wurde, entschied die Teamführung, den zweifachen Weltmeister aus der Boxengasse starten zu lassen. Dadurch konnten die strengen Parc Ferme-Regeln umgangen und wichtige Veränderungen an Vettels Auto vorgenommen werden - etwa in Bezug auf die Höchstgeschwindigkeit des Red Bull mit der Startnummer 1. Die Getriebeübersetzung wurde angepasst und die Spoiler flacher gestellt. Auf diese Weise konnte auch der etwas brustschwache Renault im Heck des Red Bull zu Überholvorgängen beitragen. Vettels Auto glänzt seit langem eher mit einer ausgeklügelten Aerodynamik als mit purer Motorleistung.

Ferrari weiterhin mit Qualifikationsschwäche

Vettel, der ansonsten die Rennen von der Spitze aus dominiert, bewies einmal mehr seinen Kampfgeist und strafte seine Kritiker Lügen. Schon oft wurde dem mittlerweile 25-fachen Grand Prix-Sieger vorgeworfen, zu zögerlich in Zweikämpfen zu agieren und überhaupt nur durch seinen technisch überlegenen Red Bull in der Position zu sein, Siege und WM-Titel einfahren zu können. Fernando Alonso, der die beste Saison seiner Karriere fährt, konnte den Elfmeter, der ihm durch Vettels Strafversetzung geschenkt wurde, nur bedingt nutzen. Den mittlerweile obligatorischen schlechten Startplatz machte Alonso im Rennen einmal mehr wett. Allerdings gilt auch weiterhin, dass Ferrari noch immer nicht siegfähig ist. Am Ende reichte es für Alonso nur zum zweiten Platz.

Der Ferrari hat sich seit Saisonbeginn zwar gesteigert – so ist er deutlich einfacher zu fahren und gutmütiger als noch in der ersten Saisonhälfte. Dennoch mangelt es dem roten Boliden weiterhin an Top-Speed durch das DR-System, auf den es besonders in der Qualifikation ankommt. Im Gegensatz zum Rennen darf der Heckspoiler dort bei jeder sich bietenden Gelegenheit flachgestellt werden. Hier liegt weiterhin die Achillesferse des diesjährigen Ferrari. Wenn Ferrari Vettel am dritten Titelgewinn in Folge noch hindern will, müssen in den beiden noch ausstehenden Rennen dringend bessere Startpositionen für Alonso herausspringen. Falls Alonso in Austin und Sao Paulo erneut aus der dritten Startreihe ins Rennen gehen sollte, ist der Red Bull-Express mit Sebastian Vettel an der Spitze womöglich schon wieder an der Spitze des Feldes enteilt. Bis sich Alonso nach vorne durchgekämpft und den Anschluss hergestellt hat, ist es dann meistens schon zu spät.

Räikkönen mit tollem Comeback

Schnellster Mann in Abu Dhabi war ein anderer. McLaren-Fahrer Lewis Hamilton wurde allerdings einmal mehr durch technische Gebrechen seines McLaren um den fast schon sicheren Sieg gebracht. Diesmal streikte an seinem Auto die Benzinpumpe. In Führung liegend rollte Hamilton aus und machte den Weg für Kimi Räikkönen im Lotus frei. Weshalb die beiden McLaren in der zweiten Saisonhälfte so sehr vom Defektteufel heimgesucht werden bleibt ein Rätsel. Auch hier besteht Handlungsbedarf.

Kimi Räikkönen katapultierte sich mit einem hervorragenden Start vom fünften Startplatz auf dem Weg in die erste Kurve bis auf den zweiten Rang nach vorne. In Runde 19 profitierte der 33-jährige Finne zwar von Hamiltons Ausfall, aber dennoch bekam er den ersten Sieg seit seiner Rückkehr in die Formel 1 nicht geschenkt. Zu groß war der Druck von Fernando Alonso in seinen Rückspiegeln.

Räikkönen besticht dieses Jahr ganz besonders durch seine abgeklärte und coole Art. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass er sich während seiner zweijährigen Formel 1-Abstinenz und seinem Gastspiel in der Rallye-WM nicht den Fahrstil zerstört hat. Räikkönen kam Anfang des Jahres so in die Königsklasse zurück, als wäre er nie weg gewesen. Bisher beinahe fehlerlos unterwegs, war sein erster Sieg schon längst überfällig. Nach zuletzt etwas schwächeren Rennen seines Lotus-Rennstalls könnte in Abu Dhabi für den schwarz-goldenen Rennstall die Kehrtwende eingeleitet worden zu sein.

Montag, 15. Oktober 2012

Sebastian Vettel schafft dritten Sieg in Folge

Sebastian Vettel und sein Red Bull-Team sind wieder in der Spur. Mit seinem vierten Saisonsieg konnte der Deutsche, vier Rennen vor Schluss, die Führung in der Gesamtwertung von Fernando Alonso übernehmen.

Die aktuelle Formel 1-Saison ist unvorhersehbar. Noch Mitte September schienen die McLaren beinahe unschlagbar zu sein. Nun hat sich das Blatt zugunsten von Red Bull wendet - einer Technikoffensive sei Dank. Während sich McLaren momentan schwertut, das passende Set-Up für die Boliden von Lewis Hamilton und Jenson Button auszuarbeiten, nutzte Sebastian Vettel die Gunst der Stunde und holte aus drei Rennen die maximal mögliche Punktzahl von 75 Zählern. Durch die beiden unverschuldeten Startunfälle von Fernando Alonso in den Startrunden von Spa und Suzuka, konnte Sebastian Vettel innerhalb kürzester Zeit einen Rückstand von 42 Zählern in einen Sieben-Punktevorsprung umwandeln.

Red Bull entwickelt derzeit aggressiver und effizienter als die direkte Konkurrenz um die Vergabe der Weltmeistertitel. Während bei Ferrari derzeit nur Kleinteile an die Autos kommen, ändert Red Bull die Grundstruktur der Autos komplett. In Singapur kam ein sich um die Horizontalachse verdrehender Frontflügel an die Autos, durch den ein effizienteres Anströmen des Diffusors gewährleistet werden konnte. Dadurch stieg der Anpressdruck im Heck merklich an, was eine höhere Kurvengeschwindigkeit nach sich zog.

Ebenfalls in Singapur brachte Red Bull ein Doppel-DR-System zur Einsatzreife, bei dem es auch am unteren Heckflügelelement zu einem kontrollierten Strömungsabriss kommt. Dazu wurden Luftkanäle vom Hauptblatt des Heckflügels durch die Seitenteile verlegt - ein Aufwand, den sich andere Teams während der Saison nicht erlauben können. Von der Neuerung profitieren die Piloten besonders in der Qualifikation, wo bei jeder sich bietenden Gelegenheit DRS eingesetzt werden darf.

Der doppelte Strömungsabriss zieht eine höhere Endgeschwindigkeit nach sich und erlaubt es, die Flügel gleichzeitig steiler zu stellen, was wiederum zu höheren Kurvengeschwindigkeiten führt. Die Anstrengungen der Technikertruppe aus Milton Keynes haben Sebastian Vettel innerhalb weniger Wochen in eine aussichtsreiche Position gebracht, um seinen dritten Weltmeistertitel in Folge zu gewinnen. Zwei Startkollisionen des ansonsten fehlerfrei agierenden Fernando Alonso sei Dank.

Hamilton übernimmt Cockpit von Michael Schumacher

Der zuletzt für seine Startkollisionen vielgescholtene Romain Grosjean scheint seine Lektion gelernt zu haben. Acht Unfälle in der Startphase gehen auf das Konto des für Frankreich fahrenden Schweizers. Nach seinem erneuten Aussetzer in Japan, agierte Grosjean in Korea zuletzt auffällig zurückhaltend. Er hielt sich besonders in der Startphase deutlich zurück.

Felipe Masse hingegen ist wieder zu alter Form zurückgekehrt. In Korea war der zweite Mann bei Ferrari sogar schneller unterwegs, als Teamkapitän Fernando Alonso. Mit zuletzt drei guten Rennen in Folge hat Massa die Fahrkarte bei Ferrari auch für die kommende Saison gelöst. Massa wird 2013 seine achte Saison für das Team aus Maranello bestreiten. An der Seite von Alonso wird Massa zwar nicht mehr in der Lage sein, um die Weltmeisterschaft mitzufahren, aber in der momentanen Form könnten einige Achtungserfolge für den loyalen Brasilianer rausspringen.

Das Fahrerkarussell in der Formel 1 hat nach dem überraschenden Wechsel von Lewis Hamilton zu Mercedes Fahrt aufgenommen. Hamilton löst bei Mercedes Michael Schumacher ab, der, nach drei glücklosen Jahren in Silber, zum Saisonende seine Karriere endgültig beenden wird. Ob sich Hamilton mit dem Wechsel von McLaren zu Mercedes allerdings einen Gefallen tut, ist mehr als fraglich.

Auch im dritten Jahr seit der Übernahme des Weltmeisterteams von BrawnGP durch Mercedes, wollte sich der Erfolg nicht so richtig einstellen. Selbst der Einkauf von namhaften Technikern konnte den Rennstall nicht auf den Pfad der Tugenden führen. Ein Achtungserfolg durch Nico Rosberg in China blieb die Ausnahme. Seitdem geht es mit dem Team stetig bergab. Inzwischen ist Mercedes sogar noch hinter Privatteams wie Sauber und Force India zurückgefallen.

McLaren hingegen kämpft seit jeher konstant um WM-Titel. Lewis Hamilton ist Mitglied der Truppe aus dem englischen Woking seit nunmehr 17 Jahren. Er kennt das Team in und auswendig. Sollte Hamilton bei Mercedes nur um die hinteren Punkteränge kämpfen, könnte der Brite relativ schnell die Motivation verlieren. Eine hohe Fehler- und Ausfallquote wäre die Folge.

Montag, 24. September 2012

Sebastian Vettel siegt in den Strassen Singapurs

Mit dem zweiten Saisonsieg hält Sebastian Vettel seine Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung am Leben.

Bei seinem zweiten Sieg in den Strassen von Singapur profitierte Vettel vom Ausfall des bis dahin führenden Lewis Hamilton. Der Brite war von der Pole Position in den 14. Saisonlauf gestartet und auf dem besten Weg, seinen vierten Saisonsieg zu erzielen. Ein Getriebeschaden stoppte Hamilton allerdings nach einem Drittel der Renndistanz und machte den Weg für Sebastian Vettel frei.

In Singapur zeigte sich erneut, dass der McLaren-Rennstall derzeit das Maß der Dinge in der Formel 1 ist. Seit der Technikoffensive in Hockenheim haben die beiden McLaren-Piloten drei von vier Rennen gewonnen. In Singapur holte Jenson Button mit seinem zweiten Rang die Kohlen für den britischen Traditionsrennstall aus dem Feuer. Trotz der momentanen Überlegenheit der Chrompfeile aus dem englischen Woking wird es für die beiden Piloten schwer, in die Vergabe um die WM-Titel einzugreifen – womöglich hat der Ausfall in Singapur Lewis Hamilton nicht nur den Laufsieg gekostet.

Kann Vettel Alonso noch gefährlich werden?

Sechs Rennen vor Schluss beträgt sein Rückstand in der Fahrerwertung auf Fernando Alonso bereits stattliche 52 Zähler. Sebastian Vettel, der zuletzt in Monza einen Nuller schreiben musste, liegt derzeit mit 29 Punkten Rückstand auf Alonso auf dem zweiten Rang in der Gesamtwertung. Genau wie Ferrari ist auch Red Bull aktuell nicht in der Lage McLaren Paroli zu bieten. Aber: Die Standfestigkeit von Ferrari lassen die beiden britischen Rennställe weiterhin vermissen. Während Alonso die von der Konkurrenz liegen gelassenen Punkte dankend annimmt, nehmen sich die Red Bull- und McLaren-Piloten gegenseitig wichtige Zähler weg.<(p>

Dabei sitzt Alonso weiterhin nicht im schnellsten Fahrzeug. Sein Ferrari ist wenn überhaupt für Podestplatzierungen gut. Trotzdem punktet Alonso konstant und belegt in jedem Rennen den bestmöglichen Schlussrang. Alonso fährt in diesem Jahr die mit Abstand beste Saison seiner Karriere. Besonders zeichnet den zweifachen Ex-Weltmeister in der laufenden Saison seine außerordentliche Rennintelligenz und Abgeklärtheit aus. Er ist von Saisonbeginn an auf den Gewinn des WM-Titels fokussiert und richtet seine Rennen einzig danach aus. Von der reinen Grundschnelligkeit her sind Fahrer, wie Lewis Hamilton, Alonso weiterhin überlegen – allerdings sind Hamilton und auch Pastor Maldonado viel zu unbeständig, als dass sie eine ernsthafte Konkurrenz für Alonso darstellten.

Der Weltmeistertitel wird in diesem Jahr mehr denn je über die Standfestigkeit vergeben. Ausfälle kann sich kein Pilot leisten, besonders nicht mehr in der Endphase der Saison. Nur wenn Red Bull seine Standfestigkeitsprobleme in den Griff bekommt, besteht noch die Möglichkeit Alonso abzufangen. Lewis Hamilton könnte Vettel mit seinem derzeitigen Speed allerdings in die Suppe spucken und ihn wichtige Punkte im Kampf um den dritten Titel in Serie kosten. Sollte sich das Kräfteverhältnis nicht verschieben, kann Vettel womöglich nur auf einen Ausfall Alonsos hoffen – dann muss der Deutsche allerdings auch zur Stelle sein.

Montag, 10. September 2012

Lewis Hamilton feiert in Monza dritten Saisonsieg

McLaren ist derzeit in der Formel 1 das Maß der Dinge. Nachdem Jenson Button beim Auftaktrennen in Melbourne siegreich war, verzettelte sich der britische Traditionsrennstall bei den folgenden Rennen mit der Abstimmungsarbeit seiner Boliden. Es dauerte bis zum siebten Lauf in Kanada bis Lewis Hamilton die sieglose Flaute seines Teams beenden konnte. Seither konnte McLaren drei weitere Rennen gewinnen. Zwei Siege gingen auf das Konto von Lewis Hamilton, einen Erfolg fuhr Jenson Button ein. Es scheint, als hätte McLaren das Ruder endgültig herumgerissen.

McLaren galt bereits nach dem ersten Rennen in Australien als Topfavorit auf den WM-Titel. Doch das wahrscheinlich beste Auto im Feld konnte einfach nicht mehr gewinnen. Stattdessen profitierten andere von der zwischenzeitlichen Schwäche der Chrompfeile aus dem englischen Woking. Allen voran Fernando Alonso. Der 31-jährige Spanier fährt in der Form seines Lebens. Fehlerlos holt der zweifache Ex-Weltmeister mehr aus seinem Ferrari, als eigentlich drinsteckt. Allerdings macht ihm die Konkurrenz auch zu viele Geschenke. In Monza trifft dies besonders auf Red Bull zu. Beide Renner des österreichischen Getränkeherstellers fielen aus, während Alonso punktete.

Das derzeitige Hoch von McLaren kann Alonso noch mit Gelassenheit betrachten. Bislang nahmen sich seine Konkurrenten gegenseitig Punkte weg. Bis zum Lauf in Monza kamen seine direkten Verfolger aus dem Red Bull-Rennstall. Mit dem Sieg in Monza übernahm nun Hamilton die Rolle des ersten Alonso-Verfolgers. Allerdings beträgt sein Rückstand sieben Rennen vor Schluss bereits 37 Zähler. Heimlich still und leise pirscht sich aber auch Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen in der Gesamtwertung nach vorne. Im ersten Jahr seines Comebacks in der Formel 1 rangiert der finnische Lotus-Pilot nur einen Punkt hinter Hamilton auf dem dritten Platz – und dass obwohl Räikkönen in der laufenden Meisterschaft noch kein Rennen gewinnen konnte.

Mehr Augenmaß gefordert

Red Bull scheint hingegen etwas den Faden verloren zu haben. Seit dem Ende der Sommerpause platzierten sich die beiden Autos des Titelverteidigers in der Startaufstellung nur noch im vorderen Mittelfeld. Ohne den nötigen Speed im Rennen steht die Mannschaft um Sebastian Vettel, wie zuletzt in Monza, mit stumpfen Waffen da. Vettels beherzte Verteidigungsschlacht gegen Fernando Alonso mündete noch zudem in einer Durchfahrtsstrafe. Während das gleiche Manöver im vergangenen Jahr noch straffrei für Fernando Alonso ausging, haben sich nun die Voraussetzungen geändert.

Seit Anfang dieser Saison gilt die Regel, dass der Vordermann, dem Hintermann mindestens eine Wagenbreite Platz auf der Strecke lassen muss, wenn Letzterer zum Überholen ansetzt. Dabei muss sich allerdings der Frontspoiler bereits auf Höhe des Hinterrades des vorausfahrenden Fahrzeugs befinden. Eine Regelung, die bei mir auf Unverständnis stößt.

Meines Erachtens sind die Renn-Stewards in Monza mit ihrer Strafe gegen Sebastian Vettel über das Ziel hinausgeschossen. In der Formel 1 fahren die wahrscheinlich besten Rundstreckenpiloten der Welt gegeneinander. Zudem geht es um viel Geld und die Wahrung der Interessen der in der Formel 1 vertretenen Konzerne. Dennoch sollte auf der Renntrecke hart gegeneinander gefahren werden dürfen. Dazu gehört auch, dass der Vordermann seine Position mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Solange nicht das Leben des anderen mutwillig aufs Spiel gesetzt wird sollten alle Mittel erlaubt sein. Nur solche Manöver bleiben beim Zuschauer in Erinnerung.

Paradebeispiele sind Michael Schumachers grandiose Verteidigungsschlachten gegenüber Rubens Barrichello in Ungarn 2010, oder gegen Lewis Hamilton in Monza vor nunmehr einem Jahr. Es macht Spaß, solch spannende Aktionen zu beobachten – und darum geht es letztlich. Der Zuschauer muss sich unterhalten fühlen.

Meine Sorge ist, dass die Fahrer in Zukunft mit der Sorge im Hinterkopf in ein Überholmanöver gehen, womöglich dafür bestraft zu werden. Das darf nicht sein. Zwar gibt es auch im Fußball gelbe und rote Karten, um unfaire und unsportliche Manöver zu ahnden, allerdings weiß dort der Spieler nach einer Verwarnung auch, was ihm im Wiederholungsfall blüht. Das ist in der Formel 1 anders. Wäre Sebastian Vettel nicht wenig später mit einem technischen Defekt ausgefallen, hätte ihn die Durchfahrtsstrafe wichtige Punkte im Kampf um den WM-Titel gekostet. Nicht nur in diesem Zusammenhang sollte die Sportbehörde in Zukunft Augenmaß walten lassen.

Montag, 30. Juli 2012

Alonso geht als WM-Spitzenreiter in die Sommerpause

Die Formel 1 macht Sommerpause. Fünf Wochen lang stehen die Boliden still. Besonders entspannt kann Fernando Alonso seinen Urlaub angehen. Der spanische Ferrari-Pilot führt nach elf von insgesamt zwanzig Läufen die Weltmeisterschaftswertung mit 40 Punkten Vorsprung vor Mark Webber an.

Alonso befindet sich derzeit in bestechender Form. Der 31-Jährige fährt die wahrscheinlich beste Saison seiner Karriere. Was Alonso aus seinem nicht wirklich siegfähigen Fahrzeug herausholt ist schier unglaublich. Fehlerlos punktet der zweifache Ex-Weltmeister bei jedem Rennen und profitiert davon, dass seine direkten Konkurrenten nur unbeständig unterwegs sind.

Ein Beispiel dafür liefert der vergangene Ungarn Grand Prix. Obwohl Alonso in Ungarn nur Fünfter wurde, konnte er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter ausbauen. Sein erster Verfolger, Mark Webber, kam zwei Plätze hinter dem 30-fachen Grand Prix-Sieger ins Ziel. Die Konkurrenten des Spaniers nehmen sich gegenseitig Punkte weg - Alonso profitiert.

Fernando Alonso ist der einzige Pilot, der in der laufenden Saison bislang drei Rennen gewinnen konnte. Der direkte Vergleich mit seinem Teamkollegen sieht für Felipe Massa niederschmetternd aus. Alonso konnte bisher fast sechsmal so viele Punkte einfahren wie der Brasilianer. Und dass, obwohl sich Massa nach schlechtem Saisonbeginn ganz allmählich wieder zu fangen scheint. Das Trainingsduell zwischen den beiden Ferrari-Piloten spricht bei einem Stand von 11:0 eine deutliche Sprache zugunsten Alonsos.

Unbestänidge Verfolger

Obwohl Mark Webber auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung rangiert, scheinen Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen für Alonso die größere Gefahr im Kampf um den Weltmeistertitel darzustellen. Bis auf Räikkönen unterliegen aber auch sie zu großen Schwankungen. Kimi Räikkönen arbeitet sich derweil mit guten Ergebnissen immer weiter vor.

Wenn nur nicht die verhältnismäßig schlechten Startpositionen wären, hätte auch der Finne schon den ein oder anderen Sieg eingefahren. Leider wachen Räikkönen und sein Lotus immer erst in der zweiten Rennhälfte auf. In Ungarn führte ihn die Aufholjagd am Ende bis auf den zweiten Platz nach vorne. Bei einem besseren Startplatz als Position sechs, wäre in Ungarn für den Lotus-Piloten mehr drin gewesen als Platz zwei.

Neben Alonso sticht in meinen Augen fahrerisch bisher Räikkönens Teamkollege Romain Grosjean besonders heraus. Auch wenn der junge Franzose oftmals in den ersten Runden eines Grand Prix zu ungestüm zu Werke geht, indem er in Kollisionen verwickelt ist, ist sein Rennspeed offensichtlich. Nach seinem durchaus kritikwürdigen Formel 1-Einstand Ende 2009 hat Grosjean eine beeindruckende Entwicklung durchlebt. Sein Abstieg in die GP2-Kategorie, den er 2011 mit dem Gewinn der Meisterschaft krönte, scheint dem Selbstbewusstsein des zweiten Rückkehrers in Reihen des Lotus-Rennstalls gut getan zu haben.

Etwas durchwachsen sieht hingegen die Bilanz von Michael Schumacher und dem Mercedes-Rennstall aus. Nach einem durchaus vielversprechenden Saisonstart und dem Sieg von Nico Rosberg in China, scheint die Truppe um Teamchef Ross Brawn etwas ins Hintertreffen geraten zu sein. Besonders unter trockenen Bedingungen dümpelt die silberne Mannschaft nur noch im Mittelfeld herum. Von weiteren Glanzlichtern ist man zur Zeit meilenweit entfernt. Auch Schumacher macht in seiner zweiten Karriere immer noch zu viele Fehler. In Ungarn parkte er auf dem falschen Startplatz und provozierte somit einen Startabbruch. Schumacher startete letztlich aus der Boxengasse. Er beendete den Grand Prix kurz vor dem Rennende aus taktischen Gründen aus.

McLaren scheint im Gegensatz zu Mercedes die Trendwende eingeleitet zu haben. Nach einer sehr durchwachsenen ersten Saisonhälfte, konnte sich der Traditionsrennstall aus Woking zuletzt wieder etwas freischwimmen. Der Sieg von Lewis Hamilton in Ungarn unterstreicht den Aufwärtstrend. Gestärkt geht die Truppe in die Sommerpause. Die letzten Updates an den Boliden scheinen zu funktionieren.

Montag, 9. Juli 2012

Mark Webber siegt in Silverstone

Red Bull-Pilot Mark Webber ist der zweite Fahrer, der in der laufenden Saison zwei Rennen gewinnen konnte. Nachdem zuletzt Fernando Alonso in Valencia den Bann gebrochen hatte, konnte sich nun Webber zum zweiten Mal in der laufenden Saison in die Siegerliste eintragen. Mit seinem zweiten Sieg in Silverstone verkürzte der Australier den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso auf 13 Punkte.

Alonso startete von der Pole Position in den neunten Lauf der Saison und führte das Rennen über weite Strecken unangefochten vor Webber an. Nach dem letzten Boxenstopp konnte Webber schließlich auf Alonso aufschließen und den zweifachen Ex-Weltmeister vier Runden vor Schluss überholen. Alonso war neben Lewis Hamilton und Nico Hülkenberg der einzige Pilot, der auf harter Slickbereifung ins Rennen gegangen war - Rückwirkend ein Fehler.

Nach komplett verregneten Trainingssitzungen fehlten den Teams Erfahrungswerte mit den Trockenreifen von Pirelli. Nachdem sich Alonso anfänglich leicht vom Feld hat absetzen können und alles nach einem erneuten Sieg des Spaniers aussah, machte Ferrari den entscheidenden strategischen Fehler. Man reagierte auf den vorgezogenen Boxenstopp von Mark Webber und holte Alonso ebenfalls zum Service rein. Als Alonso auch im zweiten Turn mit der härteren Reifenmischung bestückt wurde, witterte die Konkurrenz von Red Bull im letzten Rennabschnitt ihre Chance auf den Sieg.

Nach dem zweiten Boxenstopp reagierte Ferrari erneut auf die Strategie bei Red Bull und holte Alonso wenige Runden nach Webber zum Reifenwechsel an die Box. Red Bull spekulierte darauf, dass der Ferrari die weiche Mischung zu sehr strapazieren könnte und sich auf diese Weise kurz vor Schluss eine Chance bieten würde, an Alonso vorbeizuziehen. Fünf Runden vor Schluss hatte Webber schließlich den Anschluss hergestellt. Nur eine Runde später zog er vorbei.

Die Regenschlacht blieb aus

Der Grand Prix in Silverstone schien einmal mehr zu einer Regenlotterie zu werden. Nachdem die Trainingssitzungen bereits komplett verregnet waren, stellten sich die Protagonisten auch auf einen nassen Sonntag ein. Die Wettervorhersage schien dies zu bestätigen. Doch wider Erwarten blieb es am Sonntag trocken. Einige Teams schienen bei der Abstimmung ihrer Boliden zu sehr auf die Karte ‚Regen’ gesetzt zu haben. Mercedes schien dazu zu gehören. Michael Schumacher ging von Position drei aus ins Rennen. Im Ziel lag er auf Platz sieben. Teamkollege Rosberg erwischte es noch schlechter. Als Zwölfter gestartet, reichte es nach einem verpatzten Boxenstopp nur zu Platz fünfzehn.

In der WM scheint sich allmählich ein Dreikampf zwischen Fernando Alonso und den beiden Red Bull-Piloten abzuzeichnen. Das technisch bessere Paket hat trotz Alonsos Führung im Gesamtklassement allerdings die Truppe aus England. Wenn McLaren seine derzeitige schlechte Form überwinden kann, muss auch der derzeit viertplatzierte Lewis Hamilton zum Favoritenkreis gerechnet werden. Nach seinem Patzer in Valencia fuhr der Ex-Weltmeister auch in Silverstone nicht um den Sieg mit. Auf Platz acht gestartet kam er auf ebendiesem Rang ins Ziel. McLaren scheint sich bei der Weiterentwicklung ihres Boliden verrannt zu haben und noch keinen Ausweg finden zu können. Wenn es allerdings einem Formel 1-Team gelingt, sich aus einer schwierigen Situation zu befreien, dann McLaren. Diese Eigenschaft hat die Truppe aus Woking in den vergangenen Jahrzehnten schon oft genug unter Beweis gestellt.

Montag, 25. Juni 2012

Alonso gewinnt turbulenten Grand Prix in Valencia

Fernando Alonso macht das Unmögliche möglich. Von Starplatz 11 ins Rennen gegangen holte sich der Spanier den Sieg vor heimischer Kulisse.

Die diesjährige Formel 1-Saison ist unvorhersehbar. Nicht nur, dass es sieben verschiedene Sieger in den ersten sieben Saisonläufen gab. Jetzt gewinnt plötzlich mit Fernando Alonso auch noch ein Pilot von Startposition 11 aus ein Rennen. Und das auf einer Strecke, die das Überholen nicht gerade einfach macht. In der Formel 1 scheint derzeit alles möglich zu sein.

Alonso behält in der laufenden Saison als einziger Fahrer stets den Überblick. Mit einem weit unterlegenen Ferrari fuhr der 30-Jährige bereits zu Saisonbeginn bemerkenswerte Ergebnisse ein. Darunter der Sieg im verregneten Malaysia. Nach dem zweiten Coup in Valencia führt der inzwischen 29-fache Grand Prix-Sieger sogar die Gesamtwertung mit 20 Punkten Vorsprung vor Mark Webber an. Eine Tatsache, die alleine dem außergewöhnlichen Talent Alonsos geschuldet ist. Ohne den Spanier stünde die Truppe aus Maranello weiterhin nirgendwo.

Bei seiner Fahrt auf das oberste Podest bestach Alonso mit kompromisslosen Überholmanövern. So gewann er bereits nach dem Start vier Positionen. Im weiteren Rennverlauf arbeitete sich der Asturier bis auf Position zwei nach vorne, ehe er vom technisch bedingten Ausfall des über weite Strecken unangefochten führenden Sebastian Vettel profitierte.

Pech für Vettel und Grosjean

Ein ähnliches Schicksal wie den deutschen Doppelweltmeister ereilte wenig später den auf Position zwei fahrenden Romain Grosjean. Auch er musste seinen Lotus plötzlich ohne Vortrieb am Streckenrand abstellen. Apropos Grosjean. Der junge gebürtige Schweizer ist die Überraschung der Saison. Wenn man einmal von einigen Unfällen in der Startphase absieht, die übermotiviert zustande gekommen sind, fährt Grosjean eine beeindruckende erste Saisonhälfte. Davon war nach seinem völlig missglückten Formel 1-Einstand im Jahr 2009 nicht auszugehen. Damals war Grosjean als Teamkollege von Fernando Alonso bei Renault den Anforderungen in der Königsklasse noch nicht gewachsen.

Nach zwei Jahren Formel 1-Abstinenz scheint Grosjean nun den Dreh raus zu haben. Teamkollege Kimi Räikkönen hat er im Qualifying mit meist einer Zehntel Sekunde Vorsprung weitestgehend im Griff und auch im Rennen ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Wie zuletzt in Kanada hätte Grosjean auch in Valencia als Zweiter auf dem Podium gestanden, wenn ihm die Technik keinen Streich gespielt hätte.

Trotz seines Überraschungssieges in Barcelona ist hingegen bei Pastor Maldonado noch immer nicht viel von Abgeklärtheit und Übersicht im Cockpit zu erkennen. Der Williams-Pilot macht weiterhin zu viele Fehler, die dem Team und ihm wichtige Punkte kosten. Den Unfall mit Lewis Hamilton in der vorletzten Runde des Grand Prix kann man zwar als normalen Rennunfall abhaken, allerdings wäre es in diesem Fall einmal mehr sinnvoll gewesen abzuwarten.

Mehr Überblick gefragt

Hamiltons Reifen waren bereits am Ende, so dass sich Maldonado ganz sicher noch eine gute Möglichkeit geboten hätte, Hamilton den dritten Platz abspenstig zu machen. Durch die nach dem Rennen gegen Maldonado ausgesprochene 20-Sekunden-Strafe verliert der Venezolaner auch noch den letzten ergatterten Punkt, den er ohne Frontspoiler noch eingefahren hatte. Gleiches gilt übrigens auch für Lewis Hamilton. Im Nachhinein wäre es klüger gewesen, Maldonado ziehen zu lassen und die Punkte für den vierten Platz sicher nach Hause zu fahren. Im Kampf um die WM-Krone könnten ihm die Zähler am Ende der Saison fehlen.

Beeindruckend ist die diesjährige Leistung von Maldonados Williams-Team dennoch. Nachdem Williams in den vergangenen Jahren nicht allzu viel zustande brachte, konnte der Traditionsrennstall in der laufenden Saison das Ruder herumreißen. Hätte der Rennstall nicht vor der Saison Rubens Barrichello in die Wüste geschickt und gegen Paydriver Bruno Senna ausgetauscht, stünde der Rennstall noch weit besser dar als es momentan der Fall ist. Der Oldie aus Brasilien hätte ebenfalls schon ein Rennen gewonnen.

Durch den Unfall im Kampf um Platz drei wurde letztlich ein Mann auf das Podium gespült, von dem man dieses Ergebnis vor dem Rennen nicht erwartet hätte. Michael Schumacher ging von Position 12 ins Rennen. Nach über sechs Jahren stand der Rekordweltmeister in Valencia erstmalig wieder auf dem Podium. Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, das Mercedes nach dem Sieg von Nico Rosberg in China die gute Frühform ein wenig verloren hat.

Dienstag, 12. Juni 2012

Lewis Hamilton gewinnt Grand Prix von Kanada

Sieben verschiedene Sieger in sieben Grand Prix. Das hat es in der Geschichte der Formel 1 noch nie gegeben. Mit Lewis Hamilton gewann in Kanada ein Fahrer, dessen erster Saisonsieg schon längst überfällig gewesen ist. Mit dem 18. Sieg seiner Karriere übernahm der Brite gleichzeitig auch die Führung in der Fahrerwertung. Aus den vier Top-Teams der Formel 1 haben sich damit in der laufenden Saison nur Michael Schumacher im Mercedes und Felipe Massa im Ferrari noch nicht in die Siegerliste eintragen können.

In einem von der Strategie geprägten Rennen übernahm Polesetter Sebastian Vettel unmittelbar nach dem Start die Führung, die er in der Anfangsphase kontinuierlich ausbauen konnte. Kurz vor seinem ersten Boxenstopp begannen allerdings seine Reifen abzubauen, so dass die Verfolger, Fernando Alonso und Lewis Hamilton, den Rückstand auf den deutschen Doppelweltmeister verkürzen konnten. Als Vettel nach dem fälligen Boxenstopp die Reifen nicht rechtzeitig wieder auf die optimale Temperatur brachte, war dies gleichbedeutend mit dem Verlust der Spitze.

McLaren pokert hoch – und gewinnt

Sowohl Fernando Alonso als auch Lewis Hamilton gingen an Vettel nach der ersten Runde der Boxenstopps vorbei. Lange sah es dann nach einem klaren Sieg für Hamilton im McLaren-Mercedes aus. Doch 14 Runden vor dem Ziel bog der Brite zu seinem zweiten Reifenwechsel in die Boxengasse ab. Alonso und Vettel gingen wieder am Weltmeister des Jahres 2008 vorbei in Führung. Anstatt abzuwarten, was die direkte Konkurrenz macht, entschied sich die Truppe um Teamchef Martin Whitmarsh dazu, alles auf eine Karte zu setzen.

Als sich wenig später die Rundenzeiten bei Alonso und Vettel merklich langsamer wurden, war klar, dass McLaren richtig gepokert hat. In riesen Schritten holte Hamilton auf das Führungsduo auf. Sowohl Vettel als auch Alonso waren in der Folge leichte Beute für Hamilton. Nachdem Hamilton an Vettel vorbei ging entschied auch die Red Bull-Truppe, Vettel ein zweites Mal zum Reifenwechsel an die Box zu holen. Dadurch fiel der Weltmeister zwar vom dritten Rang auf die fünfte Position zurück, doch ohne den fälligen Wechsel der abgefahrenen Reifen wäre es wohl noch weiter nach hinten gegangen. Letztlich schaffte es Vettel noch an Alonso vorbei auf Rang vier.

Die Formel 1-Saison 2012 ist unberechenbar. Sieben verschiedene Sieger in sieben Rennen sprechen eine deutliche Sprache. Die Tatsache, dass Fahrer wie Pastor Maldonado im Williams-Renault in Barcelona, einen Grand Prix aus eigener Kraft gewinnen können, erschwert Prognosen über den Rennausgang. In Kanada überraschten mit Romain Grosjean und Sergio Perez zwei Piloten, die auf dem zweiten bzw. dritten Platz ins Ziel einliefen. Beide waren auf einer Einstopp-Strategie unterwegs, die sie weit nach vorne spülten. Grosjean ging vom siebten Platz aus ins Rennen, Perez sogar nur von Position 15.

Lotus und Sauber haben bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge auf das richtige Pferd gesetzt. Beiden Konstruktionen sind äusserst reifenschonend, gut abzustimmen und für den Fahrer leicht verständlich. Mit dem nötigen Vertrauen ins eigene Paket, sind gute Platzierungen dirn. Einziges Manko sind die meist schlechten Startpositionen. Sowohl bei Lotus als auch bei Sauber gibt es Probleme, die Reifen in der Qualifikation rechtzeitig auf Temperatur zu bringen. Von weit hinten kommend, ist der Zug an der Spitze für die beiden Teams meist schon abgefahren.

Sonntag, 13. Mai 2012

Sensationssieg durch Pastor Maldonado

Pastor Maldonado hat völlig überraschend den Grand Prix von Spanien in Barcelona gewonnen. Nach einer Strafversetzung des Pole-Setters Lewis Hamilton ging Maldonado vom ersten Startplatz aus ins fünfte Saisonrennen. Beim Spurt in die erste Kurve konnte sich zwar Ferrari-Pilot Fernando Alonso am Williams des Venezolaners vorbeischieben, nach der ersten Runde der Boxenstopps übernahm dann allerdings Maldonado die Führung, die er bis ins Ziel vor Alonso verteidigen konnte.

Maldonado ist bereits der fünfte Sieger im fünften Rennen der laufenden Formel 1-Saison. Der Traditionsrennstall von Williams das fünfte Team, das 2012 gewinnen konnte. Für die Truppe von Frank Williams war es der erste Sieg nach beinahe acht Jahren. Der letzte Triumph eines Williams wurde im letzten Saisonrennen 2004 durch den Kolumbianer Juan-Pablo Montoya eingefahren. Für Williams kommt der Sieg zur rechten Zeit. Nach einer desaströsen Saison 2011 wurde der Rennstall umstrukturiert. Technikchef Sam Michael wanderte in Richtung McLaren ab, Motorenpartner Cosworth wurde in die Wüste geschickt und die alte Verbindung zu Renault wiederbelebt. Bei den Fahrern musste Rubens Barrichello Paydriver Bruno Senna weichen. Im bisherigen Saisonverlauf trat Teammitbesitzer Patrick Head ins zweite Glied zurück und Urgestein Frank Williams kündigte seinen Abschied auf Raten bereits an.

Bedingungen kamen Maldonado entgegen

Deutlich verbessert ging der dritterfolgreichste Rennstall der Formel 1-Geschichte in die neue Saison. Die Umstrukturierungen hinter den Kulissen war in den ersten Saisonrennen auch auf der Strecke zu erkennen. Lediglich die guten Ergebnisse ließen noch auf sich warten. Zu oft standen sich die recht unerfahrenen Piloten selbst im Weg. Bereits in Australien fuhr Maldonado einem hervorragenden sechsten Platz entgegen, als er in der letzten Runde, selbstverschuldet, seinen Boliden in die Mauer pflanzte. In Spanien passte für den 27-Jährigen nun alles zusammen. Ähnlich wie beim Premierensieg von Nico Rosberg in China kamen die äusseren Bedingungen diesmal auch Maldonado entgegen. Bereits in den Trainingsläufen und im Qualifying ließ der Williams-Pilot mit guten Rundenzeiten aufhorchen. Ob Williams die gute Form auch bei den kommenden Rennen konservieren kann, bleibt jedoch mehr als fraglich. In Monaco ist Maldonado dennoch für ein gutes Ergebnis gut. Bereits in der Vergangenheit glänzte der Venezolaner auf dem prestigeträchtigen Strassenkurs an der Cote d' Azur.

Die Pole-Position erbte Maldonado am grünen Tisch. Lewis Hamilton wurde für einen Fehler seines Teams hart bestraft und musste vom anderen Ende der Startaufstellung ins Rennen gehen. Am Ende langte es für den Weltmeister des Jahres 2008 noch für den achten Platz vor seinem Teamkollegen Jensen Button. Hamilton wurde per Boxenfunk nach seiner überlegenen Bestzeit im Qualifying gebeten, seinen Boliden mit einem sich anbahnenden technischen Defekt am Streckenrand abzustellen. Wie sich später herausstellte, hatte Hamiltons Auto nicht mehr genügend Benzin an Bord, um die obligatorische Untersuchung der FIA absolvieren zu können. Beim Abtanken des Boliden wurden sämtliche Benzinleitungen entleert, die beim anschließenden Betanken nicht wieder aufgefüllt wurden. Der menschliche Fehler eines Mechanikers kam Hamilton somit teuer zu stehen. Meines Erachtens ist die Strafen gegen Hamilton zu hart. Was kann der Pilot für einen Fehler seines Teams?

Als er den McLaren am Streckenrand abgestellt hat, ist er lediglich einer Anweisung der Teamoberen von McLaren gefolgt. Eine Geldstrafe gegenüber McLaren wäre eher gerechtfertigt gewesen und hätte Hamilton nicht sämtlicher Siegchancen beraubt. Die Punkte, die er in Barcelona liegen gelassen hat, können ihm am Ende der Saison teuer zu stehen kommen.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Die Formel-1-Saison 2011 - Vettel der Dominator

Sebastian Vettel hat der Saison 2011 seinen Stempel aufgedrückt. Der Deutsche dominierte wie kaum jemand zuvor in der Geschichte der Formel 1.

Mit 11 Siegen in 19 Saisonläufen kratzte Sebastian Vettel 2011 an der Bestmarke von 13 Siegen in einer Saison - aufgestellt von Michael Schumacher im Jahr 2004. Noch dominanter als im Rennen war Vettel 2011 im Qualifying unterwegs. Mit 15 Pole Positions überbot er den von Nigel Mansell aus dem Jahr 1992 stammenden Rekord um eine Qualifyingbestzeit. Für die Konkurrenz blieb 2011 nicht viel übrig. Vettel stand bei 17 von 19 Rennen auf dem Podium - nur einmal als Dritter. Neben einem vierten Platz, ausgerechnet beim Heimspiel am Nürburgring, hatte er lediglich einen Ausfall über das gesamte Jahr gesehen zu verzeichnen.

McLaren-Mercedes war in der abgelaufenen Saison das einzige Team, das Vettel unter bestimmten Bedingungen gefährlich werden konnte. Die beiden britischen Ex-Weltmeister in den Cockpits, Lewis Hamilton und Jenson Button, konnten insgesamt sechs Saisonsiege einfahren. Ein schlechtes Jahr erwischte die Truppe von Ferrari. Wie jedes Jahr mit dem Anspruch, den Weltmeistertitel gewinnen zu müssen, in die Saison gestartet, blieb die Scuderia aus Maranello mit nur einem Saisonsieg deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Saison startet mit Verzögerung

Die Unruhen in der arabischen Welt wirkten sich auch auf die Formel 1 aus. Nach langem Hin und Her wurde der Saisonauftakt in Bahrain abgesagt. Die Pläne das Rennen am Saisonende auszutragen wurden ebenfalls verworfen - der Start der Formel 1 in Bahrain wäre ein falsches Signal und zu unsicher für alle Beteiligten gewesen. Der Auftakt fand deswegen zwei Wochen später als ursprünglich geplant im australischen Melbourne statt. Bereits dort zeichnete sich die Überlegenheit der Kombination Red Bull/Sebastian Vettel ab. Im Qualifying stand Vettel mit acht Zehntelsekunden Vorsprung auf die Konkurrenz auf der Pole Position.

Red Bull stellte 2011 nicht nur das aerodynamisch effizienteste Auto auf die Räder, sondern war auch der Pionier auf dem Gebiet des angeblasenen Diffusors. Eine Technik, die das Team um den Technischen Direktor Adrian Newey im Laufe des Jahres bis hin zur Perfektion optimierte. Kein anderes Team nutzte die Technik so effizient wie das englisch/österreichische Team. Die Diskussionen um ein Verbot des Systems zu Saisonmitte verhalfen Ferrari zum einzigen Saisonsieg. Fernando Alonso nutzte die Gunst der Stunde und eine kleine Schwäche bei Red Bull eiskalt aus - 60 Jahre nach dem ersten Sieg eines Ferrari in der Formel 1 in Silverstone gewann der Spanier an gleicher Stelle.

Button mit hervorragender Saison

Neben Vettel konnte 2011 besonders Jenson Button überzeugen. Der britische Ex-Weltmeister konnte seinen höher eingestuften Teamkollegen Lewis Hamilton erstmals bezwingen und ist damit der erste Teamkollege, dem dies gelang. Die Art und Weise in der Button seine drei Saisonsiege einfuhr war bemerkenswert. Bei schwierigen und wechselhaften Bedingungen ist der Brite eine Bank. Er trifft die strategisch richtigen Entscheidungen und behält kühlen Kopf.

Button konnte seinen ersten Saisonsieg in Kanada feiern. Ein Rennen das in die Geschichte eingeht. Mit einer Dauer von über vier Stunden ist der Lauf in Montreal das längste Rennen der Geschichte der Formel 1. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 75 km/h ist der Lauf noch dazu das Langsamste aller Zeiten gewesen. Button lag zu Rennmitte noch auf dem letzten Platz. Er absolvierte insgesamt fünf Boxenstopps und musste eine Durchfahrtsstrafe absitzen. Trotzdem gewann Button das Rennen. Einer der wenigen Fehler Vettels in der letzten Runde machte den Weg für den Engländer frei.

Einen kühlen Kopf demonstrierte sein Teamkollege Lewis Hamilton 2011 nicht immer. Insgesamt vier Mal geriet Hamilton im Verlauf des Jahres mit Felipe Massa aneinander. Die Dauerfehde der beiden ging auch abseits der Strecke weiter. Hamilton, der auch privat durch eine Krise ging, machte in Sao Paulo einen ersten Schritt in Sachen Aussöhnung und umarmte Massa nach dem Rennen.