Sieben verschiedene Sieger in sieben Grand Prix. Das hat es in der Geschichte der Formel 1 noch nie gegeben. Mit Lewis Hamilton gewann in Kanada ein Fahrer, dessen erster Saisonsieg schon längst überfällig gewesen ist. Mit dem 18. Sieg seiner Karriere übernahm der Brite gleichzeitig auch die Führung in der Fahrerwertung. Aus den vier Top-Teams der Formel 1 haben sich damit in der laufenden Saison nur Michael Schumacher im Mercedes und Felipe Massa im Ferrari noch nicht in die Siegerliste eintragen können.
In einem von der Strategie geprägten Rennen übernahm Polesetter Sebastian Vettel unmittelbar nach dem Start die Führung, die er in der Anfangsphase kontinuierlich ausbauen konnte. Kurz vor seinem ersten Boxenstopp begannen allerdings seine Reifen abzubauen, so dass die Verfolger, Fernando Alonso und Lewis Hamilton, den Rückstand auf den deutschen Doppelweltmeister verkürzen konnten. Als Vettel nach dem fälligen Boxenstopp die Reifen nicht rechtzeitig wieder auf die optimale Temperatur brachte, war dies gleichbedeutend mit dem Verlust der Spitze.
McLaren pokert hoch – und gewinnt
Sowohl Fernando Alonso als auch Lewis Hamilton gingen an Vettel nach der ersten Runde der Boxenstopps vorbei. Lange sah es dann nach einem klaren Sieg für Hamilton im McLaren-Mercedes aus. Doch 14 Runden vor dem Ziel bog der Brite zu seinem zweiten Reifenwechsel in die Boxengasse ab. Alonso und Vettel gingen wieder am Weltmeister des Jahres 2008 vorbei in Führung. Anstatt abzuwarten, was die direkte Konkurrenz macht, entschied sich die Truppe um Teamchef Martin Whitmarsh dazu, alles auf eine Karte zu setzen.
Als sich wenig später die Rundenzeiten bei Alonso und Vettel merklich langsamer wurden, war klar, dass McLaren richtig gepokert hat. In riesen Schritten holte Hamilton auf das Führungsduo auf. Sowohl Vettel als auch Alonso waren in der Folge leichte Beute für Hamilton. Nachdem Hamilton an Vettel vorbei ging entschied auch die Red Bull-Truppe, Vettel ein zweites Mal zum Reifenwechsel an die Box zu holen. Dadurch fiel der Weltmeister zwar vom dritten Rang auf die fünfte Position zurück, doch ohne den fälligen Wechsel der abgefahrenen Reifen wäre es wohl noch weiter nach hinten gegangen. Letztlich schaffte es Vettel noch an Alonso vorbei auf Rang vier.
Die Formel 1-Saison 2012 ist unberechenbar. Sieben verschiedene Sieger in sieben Rennen sprechen eine deutliche Sprache. Die Tatsache, dass Fahrer wie Pastor Maldonado im Williams-Renault in Barcelona, einen Grand Prix aus eigener Kraft gewinnen können, erschwert Prognosen über den Rennausgang. In Kanada überraschten mit Romain Grosjean und Sergio Perez zwei Piloten, die auf dem zweiten bzw. dritten Platz ins Ziel einliefen. Beide waren auf einer Einstopp-Strategie unterwegs, die sie weit nach vorne spülten. Grosjean ging vom siebten Platz aus ins Rennen, Perez sogar nur von Position 15.
Lotus und Sauber haben bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge auf das richtige Pferd gesetzt. Beiden Konstruktionen sind äusserst reifenschonend, gut abzustimmen und für den Fahrer leicht verständlich. Mit dem nötigen Vertrauen ins eigene Paket, sind gute Platzierungen dirn. Einziges Manko sind die meist schlechten Startpositionen. Sowohl bei Lotus als auch bei Sauber gibt es Probleme, die Reifen in der Qualifikation rechtzeitig auf Temperatur zu bringen. Von weit hinten kommend, ist der Zug an der Spitze für die beiden Teams meist schon abgefahren.
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