Hockenheim 2005

Montag, 10. September 2012

Lewis Hamilton feiert in Monza dritten Saisonsieg

McLaren ist derzeit in der Formel 1 das Maß der Dinge. Nachdem Jenson Button beim Auftaktrennen in Melbourne siegreich war, verzettelte sich der britische Traditionsrennstall bei den folgenden Rennen mit der Abstimmungsarbeit seiner Boliden. Es dauerte bis zum siebten Lauf in Kanada bis Lewis Hamilton die sieglose Flaute seines Teams beenden konnte. Seither konnte McLaren drei weitere Rennen gewinnen. Zwei Siege gingen auf das Konto von Lewis Hamilton, einen Erfolg fuhr Jenson Button ein. Es scheint, als hätte McLaren das Ruder endgültig herumgerissen.

McLaren galt bereits nach dem ersten Rennen in Australien als Topfavorit auf den WM-Titel. Doch das wahrscheinlich beste Auto im Feld konnte einfach nicht mehr gewinnen. Stattdessen profitierten andere von der zwischenzeitlichen Schwäche der Chrompfeile aus dem englischen Woking. Allen voran Fernando Alonso. Der 31-jährige Spanier fährt in der Form seines Lebens. Fehlerlos holt der zweifache Ex-Weltmeister mehr aus seinem Ferrari, als eigentlich drinsteckt. Allerdings macht ihm die Konkurrenz auch zu viele Geschenke. In Monza trifft dies besonders auf Red Bull zu. Beide Renner des österreichischen Getränkeherstellers fielen aus, während Alonso punktete.

Das derzeitige Hoch von McLaren kann Alonso noch mit Gelassenheit betrachten. Bislang nahmen sich seine Konkurrenten gegenseitig Punkte weg. Bis zum Lauf in Monza kamen seine direkten Verfolger aus dem Red Bull-Rennstall. Mit dem Sieg in Monza übernahm nun Hamilton die Rolle des ersten Alonso-Verfolgers. Allerdings beträgt sein Rückstand sieben Rennen vor Schluss bereits 37 Zähler. Heimlich still und leise pirscht sich aber auch Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen in der Gesamtwertung nach vorne. Im ersten Jahr seines Comebacks in der Formel 1 rangiert der finnische Lotus-Pilot nur einen Punkt hinter Hamilton auf dem dritten Platz – und dass obwohl Räikkönen in der laufenden Meisterschaft noch kein Rennen gewinnen konnte.

Mehr Augenmaß gefordert

Red Bull scheint hingegen etwas den Faden verloren zu haben. Seit dem Ende der Sommerpause platzierten sich die beiden Autos des Titelverteidigers in der Startaufstellung nur noch im vorderen Mittelfeld. Ohne den nötigen Speed im Rennen steht die Mannschaft um Sebastian Vettel, wie zuletzt in Monza, mit stumpfen Waffen da. Vettels beherzte Verteidigungsschlacht gegen Fernando Alonso mündete noch zudem in einer Durchfahrtsstrafe. Während das gleiche Manöver im vergangenen Jahr noch straffrei für Fernando Alonso ausging, haben sich nun die Voraussetzungen geändert.

Seit Anfang dieser Saison gilt die Regel, dass der Vordermann, dem Hintermann mindestens eine Wagenbreite Platz auf der Strecke lassen muss, wenn Letzterer zum Überholen ansetzt. Dabei muss sich allerdings der Frontspoiler bereits auf Höhe des Hinterrades des vorausfahrenden Fahrzeugs befinden. Eine Regelung, die bei mir auf Unverständnis stößt.

Meines Erachtens sind die Renn-Stewards in Monza mit ihrer Strafe gegen Sebastian Vettel über das Ziel hinausgeschossen. In der Formel 1 fahren die wahrscheinlich besten Rundstreckenpiloten der Welt gegeneinander. Zudem geht es um viel Geld und die Wahrung der Interessen der in der Formel 1 vertretenen Konzerne. Dennoch sollte auf der Renntrecke hart gegeneinander gefahren werden dürfen. Dazu gehört auch, dass der Vordermann seine Position mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Solange nicht das Leben des anderen mutwillig aufs Spiel gesetzt wird sollten alle Mittel erlaubt sein. Nur solche Manöver bleiben beim Zuschauer in Erinnerung.

Paradebeispiele sind Michael Schumachers grandiose Verteidigungsschlachten gegenüber Rubens Barrichello in Ungarn 2010, oder gegen Lewis Hamilton in Monza vor nunmehr einem Jahr. Es macht Spaß, solch spannende Aktionen zu beobachten – und darum geht es letztlich. Der Zuschauer muss sich unterhalten fühlen.

Meine Sorge ist, dass die Fahrer in Zukunft mit der Sorge im Hinterkopf in ein Überholmanöver gehen, womöglich dafür bestraft zu werden. Das darf nicht sein. Zwar gibt es auch im Fußball gelbe und rote Karten, um unfaire und unsportliche Manöver zu ahnden, allerdings weiß dort der Spieler nach einer Verwarnung auch, was ihm im Wiederholungsfall blüht. Das ist in der Formel 1 anders. Wäre Sebastian Vettel nicht wenig später mit einem technischen Defekt ausgefallen, hätte ihn die Durchfahrtsstrafe wichtige Punkte im Kampf um den WM-Titel gekostet. Nicht nur in diesem Zusammenhang sollte die Sportbehörde in Zukunft Augenmaß walten lassen.

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