Überraschend leicht konnte der 22-jährige Heppenheimer Sebastian Vettel den neunten Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft im spanischen Valencia gewinnen und dabei das McLaren-Mercedes Duo Lewis Hamilton und Jenson Button auf die weiteren beiden Podestplätze verweisen. Eigentlich galten die Red Bull-Renault von Sebastian Vettel und seinem Teamkollegen Mark Webber in Spanien nicht unbedingt als die Sieganwärter Nr. 1, da die Streckenführung theoretisch eher den beiden McLaren in die Karten hätte spielen sollen. Das Layout bestehend aus mehreren längeren Vollgas-Passagen und anschließenden 2.-Gang Schikanen kam dabei besonders dem ausgeklügelten F-Schacht-System des McLaren-Teams entgegen. Allerdings konnte der britische Traditionsrennstall in Valencia, im Gegensatz zur Konkurrenz, nicht mit einer umfassenden Ausbaustufe der Wagen aufwarten, so dass für die beiden Weltmeister in den Cockpits am Ende die Positionen zwei und drei heraussprangen. Vettels Red Bull Rennstall konnte hingegen mit seiner F-Schacht-Entwicklung in den letzten Wochen Erfolge aufweisen, das System zur Rennreife bringen und sogar beim ersten Einsatz des Systems, das einen Strömungsabriss der anliegenden Luft am Heckflügel und damit einen größeren Top-Speed erzeugt, gleich gewinnen.
Formel-1 zu sehr reglemtentiert
Vettels zweiter Saison-Sieg ist im Kampf um die Weltmeisterschaft von großer Bedeutung, zumal sein teaminterner Konkurrent Mark Webber nach einem heftigen Unfall in Valencia punktelos blieb und Fernando Alonso auf Ferrari mit Paltz acht und vier Punkten ein wenig an Boden verlor. Dabei profitierte Alonso sogar noch von nachträglich ausgesprochenen 5-Sekunden-Starfen gegen Konkurrenten, weshalb der spanische Ex-Weltmeister um einen Platz nach vorne rückte. Die Strafen wurden gegen neun Piloten ausgesprochen, die während der Safety-Car-Phase nach dem Webber/Kovalainen-Unfall das vorgeschriebene Zeitlimit zur Absolvierung einer Runde um zwei bis drei Sekunden unterschritten hatten. Die während des Rennens ebenfalls ausgesprochene Durchfahrtsstrafe gegen Lewis Hamilton, der dadurch jedoch keine Position verlor, ist auf die Komplexität der Formel-1-Regularien zurückzuführen, die für den Laien in ihren Einzelheiten oftmals nicht mehr nachzuvollziehen sind. Mit einer immer wiederkehrenden Regelflut vor Saisonbeginn schafft die FIA ein Wirrwarr an Regularien, die für den Fernsehzuschauer und auch viele vermeintliche Experten an der Strecke nicht mehr zu durchschauen sind. Vielleicht sollte sich der Automobilverband mal ein Beispiel am Fussball nehmen, wo die Regeln seit einer halben Ewigkeit Bestand haben und keinen alljährlichen Anpassungen unterliegen. Diese Konstanz macht den Sport für viele leicht nachvollziehbar und somit auch interessant.
Mercedes GP und Michael Schumacher blieben hinter den Erwartungen erneut zurück
Trotz einer erneuten Ausbaustufe konnte die Paarung Mercedes GP und Michael Schumacher erneut nicht überzeugen. Der 15. Platz für Schumacher, den er sowohl in der Startaufstellung, als auch im Rennen erzielte, ist auf große Probleme im Aufwärmprozess und der schlechten Lesbarkeit der Entwicklung der diesjährigen Bridgestone-Reifen während des Einsatzes zurückzuführen. Ein schlechtes Qualifying-Resulatat zieht in der heutigen Formel-1 zudem meist auch ein schlechtes Rennergebnis nach sich, was bei Schumacher in den letzten Rennen häufig der Fall war. In Valencia wurde Schumacher zusätzlich durch eine rote Ampel nach seinem ersten Boxenstopp in der Safety-Car-Phase und zwei weiteren Reifenwechseln im Verlaufe des Rennens um ein besseren Ergebnis gebracht.
Sofern der deutsche Rekordweltmeister nicht vorzeitig die Lust an seinem Comeback verliert, prophezeie ich ihm eine deutliche Leistungssteigerung in der kommenden Saison. Ab 2011 stellt mit Pirelli ein neuer Reifenhersteller den Einheitsreifen der Formel-1, so dass es keinen Erfahrungsrückstand mit den Reifen mehr gibt und alle Fahrer und Teams diesbezüglich bei null anfangen. Schumachers frühere Gabe, sich schneller als andere auf neue Begebenheiten einzustellen, sollte in der Saison 2011 zum Tragen kommen, was ihm gegenüber einigen seiner Konkurrenten einen Vorteil einbringen dürfte. Da Mercedes GP in absehbarer Zeit die Weiterentwicklung des diesjährigen Autos zugunsten des Fahrzeugs für die Saison 2011 zurückfahren wird, wird das nächstjährige Auto mit großer Wahrscheinlichkeit ein besserer Wurf sein, als der diesjährige MGPW01, was sich für die Paarung in deutlich besseren Resultaten niederschlagen wird als bisher. Schumacher hat zwar von seinen früheren Fahrkünsten nichts verlernt, allerdings muss er sich bei der aktuellen Fahrergeneration deutlich mehr anstrengen als während seiner ersten Karriere, wo er der Trendsetter war, der neue Maßstäbe gesetzt hat. Heutztage haben beinahe alle aktuellen Formel-1-Piloten diese Maßstäbe verinnerlicht, so dass Schumacher auf deutlich bessere Konkurrenten trifft, als es vor 10 Jahren der Fall war. Da der Kerpener jedoch immer seinen Spass an großen motorsprtlichen Herausforderungen bekundet, sollte er die momentanen mit Freude annehmen.
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