Der neue Reifenausrüster der Formel 1, Pirelli, hat die Vorgabe von Formel 1-Chef Ecclestone mehr als erfüllt. Der 80-jährige Promoter der Königsklasse forderte vom italienischen Reifenhersteller kurzlebigere Reifen, als sie Bridgestone bis Ende letzten Jahres lieferte. Ecclestones Vorgabe, dass die neuen Reifen etwa ein Drittel der Renndistanz überstehen sollten, konnte Pirelli nachkommen.
Das Ergebnis führt auf der Rennstrecke zu einer Inflation an Boxenstopps. Beim vorletzten Grand Prix in der Türkei stoppten die Piloten ganze 82 Mal, um neue Reifen auszufassen - in Spanien am vergangenen Wochenende fanden 79 Boxenstopps statt. Und das, obwohl Pirelli eine härtere Reifenmischung an die Rennstrecke brachte, die deutlich langlebiger sein sollte als die bisher verwendete harte Mischung.
Die Zahl der Boxenstopps, die seit dieser Saison bei trockenen Bedingungen im Durchschnitt ähnlich hoch ist wie bei den stärksten Regenrennen der vergangenen zwei Jahrzehnte, und die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der beiden Reifenmischungen, führt beim interessierten Zuschauer am Fernsehschirm und erst recht an der Strecke zu Verwirrung. Zwar ist für genügend Action auf der Strecke in Form von Überholmanövern und Duellen gesorgt, aber der interessierte Beobachter ist nicht mehr in der Lage, die Gründe, die zu Verschiebungen auf der Rennstrecke führen, nachzuvollziehen.
Die Formel 1 bot auch in der Vergangenheit tollen Motorsport, der eigentlich keiner Eingriffe von aussen bedurfte. Auch beim Fussball wartet der Zuschauer auf Tore. Oft gibt es Spiele, die torlos ausgehen und trotzdem sehenswert sind. Die FIFA kommt in solchen Fällen auch nicht auf die Idee und nimmt die Torhüter aus dem Spiel, nur um den Beobachtern Tore zu präsentieren. Fussball ist seit jeher ein gutes Produkt, dessen Popularität auch auf seine leicht zu verstehenden Regeln zurückzuführen ist, die in den letzten Jahrzehnten nicht verändert wurden. Jeder kann direkt nachvollziehen, was auf dem Platz passiert. Genau das wünsche ich mir auch für die Formel 1.
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