Zweiter Doppelsieg in der Formel 1 binnen einer Woche
Nach einem überlegenen Doppelsieg durch McLaren-Mercedes in Monza in der vergangenen Woche, fuhr nun der italienische Ferrari-Rennstall unbedrängt die ersten beiden Plätze beim Grossen Preis von Belgien in Spa Francorchamps heraus.
Die leistungsmässigen Schwankungen der beiden Teams liegen weniger am Fortschritt des jeweils Anderen, als vielmehr an mechanischen Abstimmungen der Rennwagen.
Seit Saisonbeginn wird hierbei deutlich, dass der Ferrari eine harte Fahrzeugabstimmung bevorzugt, die ihm allerdings Nachteile beim Curb-Überfahren einbringt. Somit erklärt sich unter anderem auch der Vorteil von McLaren in Monza, wo das Überfahren der hohen Curbs elementar ist, um eine schnelle Rundenzeit zu erzielen. Da der McLaren-Mercedes auch weicher abgestimmt gut funktioniert, erlaubt dies den beiden Piloten ein früheres Beschleunigen nach dem Überqueren der Randsteine, da das Auto dort deutlich weniger springt und nachwippt und dadurch eher wieder in der Spur ist, um zu bescheunigen.
Ein anderer gewichtiger Vorteil der McLaren gegenüber dem Konkurenten aus Maranello ist dessen geringfügig effizientere Aerodynamik, die höhere Geschwindigkeiten bei gleichem Abtriebsniveau ermöglicht, wie in Monza geschehen. Zwar bewegt sich diese bessere Effizienz nur im verschindend geringen Bereich, allerdings reicht dies auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke wie Monza aus, um den entscheidenden Unterschied auszumachen.
Im belgischen Spa sind solche Aspekte weniger von Bedeutung, was die plötzliche Überlegenheit der Roten mit erklärt. Der Ferrari benötigt schnelle langgezogene Kurven, um seine Reifen in den Temperaturbereich zu bekommen, in dem diese optimal zu arbeiten beginnen, was Ferrari auf Strecken mit solchen Kurven überlegen macht.
Beide Grand Prix hatten spannungsmässig wieder einmal recht wenig zu bieten. Einzige Ausnahmen waren hierbei das Überholmanöver von WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton an Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in Monza, wo sich der junge Brite mit einem Überraschungsmanöver am Finnen vorbei bremsen konnte.
Vom Grand Prix in Spa wird hauptsächlich das harte Verteidigen seiner Position durch Fernando Alonso gegenüber Teamkollege Hamilton direkt nach dem Start in Erinnerung bleiben. Da sich die beiden Teamkollegen allerdings im dirkten Kampf um die Weltmeisterschaft befinden, geht die Härte Alonsos jedoch durchaus in Ordnung.
Kurios war der Ausfallgrund des Italieners Giancarlo Fisichella in Belgien, der seinen Renault bereits nach der ersten Runde wieder abstellen musste. Fisichella war aus der Boxengasse gestartet und vergass, dass seine Bremsen nicht die optimale Temperatur aufweisen und somit nur eine geringe Bremswirkung an den Tag legen. Fisichella fuhr somit beim ersten Bremsmanöver geradeaus in die Leitplanke und zerstörte dadurch die Vorderradaufhängung seines Renaults. Ein Fehler, der einem so erfahrenen Piloten wie dem Römer, der in seinem 191 Grand Prix war, definitiv nicht unterlaufen darf.
Ferrari gewinnt Kampf hinter den Kulissen
Gesprächsthema Nummer eins war während des Rennwochenendes in Spa das Urteil in der Spionageaffäre zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes.
Für einen angeblichen Vorteil, den der Besitz von Dokumenten über den 2007er Ferrari, sowie Ferraris Pratiken ihre Reifen auf optimale Betriebstemperatur zu bringen, wurden McLaren-Mercedes sämtliche Punkte in der laufenden Konstrukteurswertung gestrichen und ihnen noch dazu 100 Mio.$ Strafe aufgebrummt.
In meinen Augen ist eine solche Strafe nicht gerechtfertigt, da Spionage in der Formel 1 Gang und Gäbe ist. Mitarbeiter wechseln die Teams und nehmen geistiges Eigentum mit zu ihrem neuen Arbeitgeber.
Fotos von neuen Entwicklungen machen die Runde, ebenso wie Dokumente über bestimmte Fahrzeugentwicklungen.
Demnach müssten sämtliche Teams bestraft werden, da sie sich alle der Spionage bedienen.
Wenn alleine schon der Besitz von Unterlagen über ein Konkurrenz-Auto zu einer solchen Strafe führt, dann muss auch der Spyker-Rennstall bestraft werden, da dieser bereits zu Saisonbeginn öffentlich machte, anhand von geheimen Daten beweisen zu können, dass sich Toro Rosso und Super Aguri fremdes Gedankengut bei der Konzeption ihrer eigenen Fahrzeuge zu Nutze machten. In diesem Zusammenhang sollten die beiden Rennställe von ihren jeweiligen Schwesterteams Red Bull bzw. Honda profitiert haben und Teile von diesen übernommen haben.
Ferrari zu einflussreich
Mir drängt sich bei der Urteilssprechung durch die FIA in Paris vielmehr der Verdacht auf, dass Ferrari geschickt hinter den Kulissen die Strippen gezogen hat, um dem ungeliebten Konkurrenten McLaren zu schaden und daraus den grösstmöglichen Nutzen zu ziehen. Falls McLaren-Mercedes auf eine Berufung verzichtet, steht Ferrari bereits als Konstrukteursweltmeister fest.
In einem Punkt hat sich letztlich allerdings ein in der Formel 1 ähnlich mächtiger Mann, wie es Ferrari ist, durchsetzen können und den McLaren-Fahrern ihre bisher erfahrenen Punkte zugestanden, nämlich Promoter Bernie Ecclestone.
Dadurch kommt es wenigstens zu einem fairen Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft zwischen den McLaren Fahrern und hohen Einschaltquoten während der letzten drei Saisonläufe.
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