Hockenheim 2005

Montag, 10. Januar 2011

Die Fahrer der Saison 2010 in der subjektiven Einzelkritik

Sebastian Vettel:

Der Heppenheimer zieht mit 23 Jahren als bisher jüngster Weltmeister der Formel 1 in die Geschichtsbücher ein. Der Fahrertitel geht vollkommen verdient an den Deutschen, der über das gesamte Jahr gesehen der mit Abstand schnellste Fahrer im besten Auto war. Dies unterstreichen besonders seine insgesamt 10 Pole Positionen im Laufe des Jahres. Neben einigen technischen Gebrechen machte er jedoch auch den ein oder anderen selbstverschuldeten Fehler, so dass er nur mit Aussenseiterhoffnungen in das WM-Finale ging. Vettel überzeugte besonders im letzten Viertel der Saison mit Abgeklärtheit, überlegenem Speed und machte während der letzten vier Grand Prix, auch bei schwierigsten Bedingungen, keinen Fehler. Sein Potential ist noch nicht ausgeschöpft und wird Vettel in Zukunft zu weiteren WM-Titeln führen.
Note: 1-

Fernando Alonso:

Der 29-jährige Spanier fuhr über die gesamte Saison gesehen konstant in die Punkte und konnte auf diese Weise den Abstand auf die überlegenen Red Bull in Grenzen halten. Am Ende reichte es denkbar knapp nicht zum dritten Titel für Alonso, der durch eine schlechte Strategie des Ferrari-Kommandostandes verspielt wurde. Alonso profitierte von seiner inzwischen neunjährigen Erfahrung in der Königsklasse und der mangelnden Erfahrung seines am Ende größten Konkurenten Sebastian Vettel. Aber auch Alonso blieb nicht fehlerfrei, weshalb es auch bei ihm Abzüge in der Benotung gibt.
Note: 1-

Mark Webber:

Der Australier avancierte auf seine alten Rennfahrertage, zumindest bis zur Saisonmitte zu einem Siegfahrer, der mit seinem höher einzustufenden und leicht schnelleren Teamkollegen Vettel durchaus mithalten konnte und ihm die ein oder andere bittere Niederlage zufügte. Nach mäßigem Saisonstart fing sich Webber schnell und wurde zu einem ernsthaften Titelanwärter. Allerdings offenbarte sich im letzten Teil der Saison, dass Webbers Titelambitionen ihn durchaus einengten und er nicht mehr unbekümmert und frei auffuhr. Dennoch legte der Australier eine tolle Saison hin, die von wenigen Fehlern abgesehen auch durchaus für den WM-Titel hätte reichen können.
Note: 2+

Lewis Hamilton:

Der 25-jährige Exweltmeister aus England fuhr eine gute Saison, die jedoch auch einige ungestüme Manöver Hamiltons offenbarte, die ihn womöglich um eine deutlich bessere Platzierung in der WM gebracht haben. Lewis Hamilton besitzt einen unglaublichen Speed gepaart mit einer aussergewöhnlichen Fahrzeugbeherrschung, weshalb er zu den absoluten Topleuten der Formel-1-Geschichte zu zählen ist. Seine Fehler während der Saison sind auf seine weiterhin recht geringe Erfahrung in der Formel 1, sowie seine immer noch vorhandene Ungeduld zurückzuführen. Seinen Teamkollegen und Nachfolger als Weltmeister, Jenson Button, hatte Hamilton über die Saison gesehen locker im Griff.
Note: 2+

Jenson Button:

Die abgelaufene Saison offenbarte, dass Buttons WM-Titel 2009 ausschließlich auf das aussergewöhnliche Auto des Brawn-Teams zurückzuführen ist. Button ist ein konstanter Fahrer, allerdings fehlt ihm der letzte Speed, um zu den absoluten Topleuten zu gehören. Gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton büßte er circa 2 Zehntel pro Runde ein. Buttons Glanzlichter waren seine beiden Saisonsiege zu Beginn der Saison, die er teils unter widrigen Bedingungen einfuhr, wobei er seine Erfahrung und seinen runden und reifenschonenden Fahrstil ausspielte.
Note: 3

Felipe Massa:

Massa hat durch seinen Unfall in Budapest 2009 und der daraus resultierenden langen Pause deutlich an Speed eingebüßt. Er konnte über die Saison gesehen nicht mit seinem Teamkollgen Alonso mithalten. Die verkappte Stallregie in Hockenheim, die Massa um den verdienten Sieg brachte, hätte dem Brasilianer Selbstvertrauen zurückgeben und ihn schneller werden lassen können. Ferrari ignorierte diese Chance und degradierte seinen treuen Fahrer stattdessen erneut zur Nummer zwei im Team, was Massa einen herben Dämpfer versetzte.
Note: 3

Nico Rosberg:

Der junge Deutsche Nico Rosberg fuhr eine überragende Saison und holte mehr aus dem Mercedes GP raus, als dieser zu leisten im Stande war. Zudem hatte der 25-jährige seinen Teamkollgen Michael Schumacher locker im Griff und fuhr konstant vor dem Rekordweltmeister eine fast fehlerlose Saison. In meinen Augen ist Rosberg der beste Mann 2010!
Note: 1

Robert Kubica:

Auch Robert Kubica ließ sein neues Team Renault besser aussehen, als es wirklich war. Der Pole zeigte einmal mehr seinen Speed mit Top-Platzierungen und hatte seinen Teamkollgen Vitaly Petrov locker im Griff.
Note: 2

Michael Schumacher:

Schumacher enttäuschte in seiner Comeback-Saison ein wenig. Dies ist aber auf seine erste Karriere zurückzuführen, in der Schumacher der Überfahrer schlechthin gewesen ist. An diesen Massstäben gemessen kann es nur schlechter werden. Nach drei Jahren Pause hatte der Rekordweltmeister mehr Mühe sich in der Formel 1 zurecht zu finden, als ich erwartet habe. Nach einem mittelmäßigen Start in die Saison konnte sich der Manheimer etwas fangen, verlor jedoch im letzten Viertel der Saison wieder an Boden, was jedoch auch auf seinen Mercedes GP zurückzuführen ist. In den letzten Rennen der Saison 2010 zeigte Schumacher dann wieder einen Aufwärtstrend, der gepaart mit einem von ihm mitentwickelten neuen Auto und den neuen Pirelli-Reifen, für die kommende Saison optimistisch stimmt, dass Schumacher an seine alten Zeiten wird anknüpfen können.Von seinem sagenhaften Talent hat der mittlerweile 42-jährige nichts eingebüßt-er war lediglich etwas eingerostet.
Note: 3-

Rubens Barrichello:

Der Rekordstarter der Formel 1 ist wie ein alter Wein-je älter desto besser. Barrichello konnte seinem neuen Williams-Team entscheidene Impulse bei der Fahrzeugentwicklung mit auf den Weg geben und die Entwicklung des Autos in die richtige Richtung führen. Barrichello war über weite Strecken der Saison schneller als sein junger Teamkolle Nico Hülkenberg und fuhr eine fast fehlerfreie, abgeklärte Saison-seine 18. in der Formel 1. Zum Aufhören ist Barrichello weiterhin zu gut.
Note: 2-

Adrian Sutil:

Nach einer guten ersten Saisonhälfte verlor das Force India-Team des 27-jährigen Deutschen an Boden auf die unmittelbare Konkurrenz, was auf den Abgang einen leitenden Ingenieurs zu Sauber zurückzuführen ist. Sutils Saison ist eine durchaus gute gewesen, in der er seinen Teamkollegen Liuzzi im Griff hatte und einige Glanzlichter setzten konnte.
Note: 2-

Kamui Kobayashi:


Der Japaner Kobayashi überraschte in seiner ersten Formel 1-Saison mit seiner Unbekümmertheit und seinem Speed. Er konnte mit einer gewissen Ungestümtheit einige glanzvolle Überholmanöver gegen deutlich erfahrenere Kollegen landen, die noch lange in Erinnerung bleiben werden. Kobayashi ist ein Beispiel dafür, dass die Leistungen in Kategorien unterhalb der Formel 1 nur bedingt als Indikator herangezogen werden können. Der Japaner zählt zu den Piloten, die erst in der Formel 1 ihr Potential zu entfalten beginnen.
Note: 3+

Vitaly Petrov:

Der erste Russe in der Geschichte der Formel 1 war der Bruchpilot der Saison. Er fiel hauptsächlich durch Unfälle und Kollisionen auf. Dennoch hat Petrov, leider viel zu selten, sein durchaus vorhandenes Talent aufblitzen lassen, was in der kommenden Saison, gepaart mit größerer Erfahrung, zu deutlich besseren Ergebnissen führen sollte. Gegen Teamkollege Kubica wird es zwar auch ohne Fehler eng, seinen Platz in der Formel 1 hat der 26-jährige Russe allerdings nicht nur der Nationalität und des Geldes wegen verdient.
Note: 4+

Nico Hülkenberg:

Der 23-jährige Emmericher setzte mit seiner fabelhaften Pole Position bei schwierigen Bedingungen beim vorletzten Saison-Lauf in Brasilien ein Ausrufezeichen. Hülkenberg begann seine erste Formel-1-Saison nervös, fing sich jedoch ab Jahresmitte und konnte ab da mit seinem erfahrenen Teamkollgen Rubens Barrichello durchaus mithalten, bei weiter steigender Tendenz. Dass Hülkenberg nach der Saison bei Williams aufgrund finanzieller Engpässe des Teams ausgemustert wurde, ist schade, da er einen Platz im Feld verdient. Seine Pause wird demnach nur von kurzer Dauer sein.
Note: 3

Vitantonio Liuzzi:

Der 29-jährige Italiener enttäuschte auch in seiner dritten vollen Saison in der Königsklasse und war nur auf fahrerisch verhältnismäßig einfachen Strecken auf Ballhöhe. Gegen seinen deutschen Teamkollgen Sutil hatte Liuzzi über das Jahr gesehen keine Chance. Es macht den Anschein als wäre der ehemalige Kart-Weltmeister mit dem Status des Formel-1-Fahrers zufrieden. Eine baldige Auswechslung wäre ratsam.
Note: 5+

Sebastien Buemi:

Der Schweizer konnte auch in seiner zweiten vollen Saison bei Toro Rosso nur bedingt überzeugen. Ab der zweiten Saisonhälfte verlor er zudem immer mehr an Boden auf seinen jungen spanischen Teamkollgen Alguersuari. Buemi muss sich kommende Saison deutlich steigern, um seinen hohen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und um seinen Platz in der Formel 1 zu behalten.
Note: 4

Pedro de la Rosa:

Die Verpflichtung de la Rosas bei Sauber vor der Saison kam durchaus überraschend. Weniger überraschend war dann wiederum seine Entlassung zu Jahresmitte. De la Rosa ist sein hoher Arbeitseinsatz zugute zu halten. Trotz seines hohen Rennfahreralters war der Spanier zudem durchaus in der Lage mit seinem deutlich höher einzusufenden Teamkollegen Kamui Kobayashi mitzuhalten. Dennoch ist der Spanier in der Formel 1 ein Auslaufmodell.
Note: 4

Nick Heidfeld:

Dass Heidfeld einen Platz in der Formel 1 verdient hat ist unbestritten, ob er sich mit seinem Einsatz als Ersatzfahrer für de la Rosa bei Sauber einen Gefallen getan hat, ist allerdings fraglich. Heidfeld konnte mit einem fremden Auto und fremden Reifen zwar durchaus konstante Ergebnisse einfahren, allerdings schnitt Teamkollege Kobayashi noch besser ab, was eher in Erinnerung bleiben wird, als Heidfelds Ergebnisse. Meiner Meinung nach wäre Heidfeld besser bedient gewesen, seinen Job als Reifentester für Pirelli fortzuführen und sich bei den Verhandlungen für die Cockpits der bevorstehenden Saison mitsamt der Pirelli-Erfahrung auf dem Markt anzubieten.
Note: 4+

Jaime Alguersuari:

Alguersuari konnte in der zweiten Jahreshälfte durchaus überzeugen und seinen erfahreneren Teamkollgen Buemi hinter sich lassen.Im Laufe des Jahres legte der jüngste Starter der Formel-1-Geschichte eine beeindruckende Entwicklung hin, die für die Zukunft hoffen lässt. Dabei wurde offensichtlich, dass Alguersuari auf ihm bekannten Strecken deutlich besser zurecht kommt, als auf unbekannten.
Note: 4+

Jarno Trulli:

Trulli ist leider auf dem absteigenden Ast. Er ist zwar im Training weiterhin schwer zu knacken, scheint beim neuen Lotus-Team jedoch ein wenig lustlos zu agieren. Im Rennen verlor er gegen Teamkollge Kovalainen meist das teaminterne Duell. Höchstwahrscheinlich wird die nächste Saison Trullis letzte in der Königsklasse werden.
Note: 4

Heikki Kovalainen:

Der Finne Kovalainen ging bei Lotus deutlich motivierter zu Werke als sein Teamkollege. Wie Trulli wurde auch Kovalainen häufig von technischen Defekten am Lotus aus dem Rennen gerissen, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass der Lotus das beste Auto der neuen Teams gewesen ist.
Note: 4+

Timo Glock:

Glock konnte beim neuen Virgin-Team für einige Glanzlichter sorgen und sein Talent aufblitzen lassen. Seinen Teamkollgen di Grassi dominierte der Wersauer, der gegen die technischen Gebrechen seines revolutionären Autos jedoch machtlos war. Glock gehört definitv in ein besseres Team.
Note: 3

Lucas di Grassi:

Di Grssi schien in der Formel 1 überfordert zu sein, weshalb seine Auswechslung nach der Saison bei Virgin durchaus in Ordnung geht. Gegen Glock war der Brasilianer chancenlos.
Note: 5+

Bruno Senna:

Der Neffe des großen Ayrton Senna konnte in keinster Weise an die hohen Erwartungen, die in erster Linie an seinem Nachnamen liegen, anknüpfen. Senna schien überfordert und nicht in der Lage das neue HRT-Team voranbringen zu können. Ob Senna auch in Zukunft einen Platz in der Formel 1 verdient hat, ist mehr als fraglich.
Note: 5+

Karun Chandhok:

Dass der zweiter Inder der Geschichte der Formel 1 nur aus Nationalitätsgründen das Cockpit bei HRT bekam liegt auf der Hand, dennoch schnitt Chandhok besser ab, als befürchtet. Mit seinem höher eingestuften Teamkollgen Senna konnte er weitestgehend mithalten. Aber auch Chandhoks Talent dürfte in Zukünft nicht ausreichen, um einen Platz unter den besten Fahrern der Welt zu ergattern.
Note: 5+

Sakon Yamamoto:


Der Japaner ist besser als sein Ruf. Aber auch er ist nur bedingt Formel 1 tauglich. Seine Auswechslung gegen Christian Klien war deswegen sehr gut nachzuvollziehen. Im Vergleich mit Senna und Chandhok fällt Yamamoto jedoch nicht allzu weit ab.
Note: 5+

Christian Klien:

Mit Christian Klien saß in diesem Jahr der einzige ernstzunehmende Rennfahrer bei HRT im Cockpit. Diese Tatsache unterstrich er auch damit, dass er den mit dem Auto vertrauten Bruno Senna direkt schlagen konnte. Klien hätte fahrerisch eher einen Platz in der Formel 1 verdient als die anderen diesjährigen HRT-Piloten. Kliens Talent reicht allerdings auch nur für ein eher kleineres Team aus.
Note: 4

Keine Kommentare: