Der 26-jährige Brite Lewis Hamilton konnte im dritten Saisonlauf der Formel 1 seinen ersten Saisonsieg feiern und beendete mit seinem insgesamt 15. Grand Prix-Sieg eine Serie von saisonübergreifend vier Vettel-Siegen in Folge.
Das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button konnte bereits beim Start Pole-Setter Sebastian Vettel die Führung abnehmen und den deutschen Weltmeister auf dem Weg in die erste Kurve auf den dritten Platz verweisen. Trotz des weiterhin schnellsten Autos im Feld konnte Vettel die beiden britischen Ex-Weltmeister bis zum ersten Boxenstopp nicht überholen, so dass seine Strategie, das Feld anzuführen und einen ausreichenden Vorsprung auf die Konkurrenz herauszufahren, erstmals in dieser Saison nicht aufging. In der Folge verzettelte sich Vettels Red Bull-Rennstall zudem leicht in der Strategiewahl, indem der 23-jährige Deutsche, im Gegensatz zur direkten McLaren-Konkurrenz, nur zwei Boxenstopps einlegte. Da Vettel nach dem ersten Boxenstopp an den beiden McLaren vorbeizog, bestand durchaus die Aussicht auf Vettels dritten Sieg im dritten Rennen. Red Bull hätte sich lediglich an den beiden McLaren orientieren müssen. Vettels Team ging hingegen mit der abweichenden Strategie ein unnötig hohes Risiko ein, dass der Heppenheimer letztlich mit älteren Reifen als Konkurrent Hamilton gegen Rennende bezahlte. Hamilton, der drei Stopps einlegte, konnte kurz vor Schluss problemlos auf Vettel aufschließen und dem Deutschen vier Runden vor Rennende die Führung abnehmen und den Sieg einfahren.
Webber der Mann des Rennens
Auf Rang drei lief ein wenig überraschend der von Startplatz 18 aus ins Rennen gestartete Mark Webber ein, der somit unmittelbar hinter seinem Teamkollegen Sebastian Vettel den Grand Prix beendete. Webber, der im bisherigen Saisonverlauf von technischen Problemen geplagt wurde, profitierte bei seiner Fahrt von noch unbenutzten Reifensätzen, die er sich durch sein frühes Ausscheiden in der Qualifikation hat aufsparen können. Besonders als Webbers unmittelbare Konkurrenten die harten Reifen aufziehen mussten, profitierte der als einziger auf harten Reifen ins Rennen gestartete Webber, von den neuen Reifensätzen, die ihm einen deutlichen Zeitvorteil einbrachten.
Ebenfalls positiv fielen in China die Mercedes GP auf. Nico Rosberg lag sogar zeitweise in Führung, musste jedoch wegen des fehlerhaft vom Team berechneten Spritverbrauchs einige Runden vor Rennende ein wenig vom Gas gehen, so dass der Wiesbadener auf den fünften Platz zurückfiel. Rosbergs Teamkollege Michael Schumacher lief, von Platz 14 gestartet, als Achter ins Ziel ein. Trotz des zweiten Grand Prix in einer Woche präsentierte sich Mercedes GP deutlich konkurrenzfähiger als zuletzt. Obwohl keine grundlegenden technischen Neuerungen aufgrund des Zeitmangels debütierten, ließ Rosberg die Ferrari und Renault deutlich hinter sich. Die Leistungssteigerung ist auf ein größeres Trainingspensum mit einem leicht veränderten Rhythmus in der Fahrzeugabstimmung zurückzuführen, was es dem Team erlaubte, mehr Runden zu drehen und das noch immer recht neue Auto besser zu verstehen.
Verstellbarer Heckflügel führt zu mehr Überholmanövern, die vielen Reifenwechsel zu weniger Übersicht über den Rennverlauf
Die lange Gerade in China auf der im Rennen der verstellbare Heckflügel genutzt werden durfte, offenbarte bei Nutzung des Systems einen Hinzugewinn an Geschwindigkeit von etwa 15 km/h gegenüber dem vorausfahrenden Fahrzeug. Das neue System, das zu mehr Überholmanövern führen soll, hat somit in Kombination mit der längsten Geraden im Kalender, seine Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt. Dennoch befürworte ich Überholmanöver, die nicht künstlich zustande kommen, sondern aufgrund des individuellen Könnens eines Fahrers.
Die Inflation der Reifenwechsel im gesamten Rennverlauf, sowie die unterschiedliche Performance der Reifen unter verschiedenen Bedingungen (Härtegrad, oder Laufleistung der Reifen) führen in der Summe zu deutlich unübersichtlichen Rennen, deren Verlauf nur schwer nachzuvollziehen ist. Dass etwa Nico Rosberg, aufgrund einer nur leicht unterschiedlichen Strategie, plötzlich den Grand Prix in China ungefährdet für mehrere Runden anführt und etwa 10 Sekunden auf die vor ihm fahrenden Piloten gutmachen konnte, ist auf die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der Reifen zurückzuführen und nicht leicht nachzuvollziehen. Die spannenden Szenen und Positionskämpfe in China sind aufgrund äusserer künstlich herbeigeführter Einflüsse zustande gekommen und bedürfen meist einer anschließenden Analyse, um einen Überblick über die Geschehnisse zu erlangen. Der Sport, den die Formel 1 in der Vergangenheit bot, war eigentlich gut genug und bedurfte keiner solchen künstlichen Eingriffe.
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