Hockenheim 2005

Sonntag, 27. März 2011

Sebastian Vettel dominiert den Saisonauftakt in Melbourne

Der 23-jährige Red Bull-Renault-Pilot hat mit seinem Sieg beim Saisonauftakt der Formel 1 nahtlos an seine fehlerlose Leistung am Ende der vergangenen Saison angeknüpft und seinen insgesamt 11. Grand Prix-Sieg gefeiert.

Red Bull erneut technisch überlegen

Sebastian Vettel dominierte in Melbourne die Konkurrenz nach Belieben und verwaltete einen nach dem Start herausgefahrenen "Sicherheits-Vorsprung" auf Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes bis ins Ziel, ohne dabei den geringsten Fehler zu begehen. Bereits im Qualifying nutzte Vettel die offensichtliche Überlegenheit seines Red Bull und deklassierte Lewis Hamilton und seinen Red Bull-Teamkollegen Mark Webber um knapp 8/10 Sekunden. Bei seinem Ritt auf die Pole Position verzichtete das Red Bull-Team, wie auch im Rennen, auf den Einsatz des eingebauten Ker-Systems, was womöglich einen noch größeren Vorsprung gekostet hat. Die Dominanz des Red Bull und des vor Selbstbewusstsein strotzenden Weltmeisters Vettel wird in der laufenden Saison nur schwer zu schlagen sein. Als ernsthaftester Gegner kristallisierte sich in Melbourne völlig überraschend der englische McLaren-Rennstall heraus. Die Briten haben zwischen dem enttäuschenden letzten Test und dem Saisonauftakt ihr innovatives Auto zurückgerüstet und etwa eine Sekunde schneller machen können, was das Potential von Auto und Team unterstreicht.

Hinter Red Bull und McLaren lagen in Melbourne leicht abgeschlagen die Ferrari, die unter den geringen Aussentemperaturen litten, da sie ihre Pirelli-Reifen nicht auf die nötige Arbeitstemperatur brachten. Besonders im Training war der spektakuläre Fahrstil des zweifachen Ex-Weltmeisters Fernando Alonso zu bewundern, der im Rennen mit einem vierten Platz Schadensbegrenzung betrieb. Hinter Ferrari geht es zwischen Renault, Sauber, Mercedes, Toro Rosso, Williams und Force India äusserst eng zu. In den nächsten Läufen wird hier die Tagesform und das Entwicklungstempo über die Platzierungen entscheiden. Speziell die Privatteams von Sauber und Toro Rosso hinterließen in Australien einen gut aussortierten Eindruck und scheinen zumindest zu Saisonbeginn den Anschluß an die arrivierten Rennställe hergestellt zu haben.

Mercedes GP enttäuscht in Melbourne

Der MercedesGP-Rennstall um Rekordweltmeister Michael Schumacher konnte die gute Form bei den letzten Testfahrten vor der Saison in Barcelona nicht nach Australien hinüberretten und die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Sowohl Schumacher als auch Teamkollege Rosberg schieden nach unverschuldeten Kollisionen frühzeitig aus dem Rennen aus. Allerdings wären beide in Australien nicht im Stande gewesen um vordere Punkteplatzierungen, geschweige denn das Podium, mitzukämpfen. Beide Fahrer beklagten bereits nach dem enttäuschenden Training, mit den Startplätzen 7 für Rosberg und 11 für Schumacher, massive Balanceprobleme, die nicht einwandfrei arbeitenden Ker-Systeme, sowie eine fehlerhafte Heckspoilerverstellung. Die Balanceprobleme könnten, ähnlich wie bei Ferrari, auf die Reifen zurückzuführen sein, die nicht im entsprechenden Temperaturfenster zum Arbeiten gebracht wurden. Das Entwicklungspotential bei Mercedes GP und Ferrari wird beide Rennställe zukünftig wieder näher an die Spitze heranführen. Ob es bei Mercedes GP allerdings für die erhofften Siege im Laufe der Saison reicht, bleibt mehr als fraglich.

Regeländerungen konnten (noch) nicht überzeugen

Die neuen Regeländerungen mit der Rückkehr des Ker-Systems und dem erstmaligen Einsatz des vom Cockpit aus verstellbaren Heckspoilers führten, wie erwartet, in Melbourne noch nicht zu deutlich mehr Überholmanövern. Die Streckenführung mit der verhältnismäßig kurzen Start-/Zielgeraden verhinderte Überholmanöver ebenso, wie der auf der kurzen Geraden ausreichende Kers-Konter des vorausfahrenden Fahrzeugs. Auf den kommenden Strecken im malaysischen Sepang und im chinesischen Shanghai, die beide über lange Geraden verfügen, wird die Heckspoilerverstellung deutlich mehr zur Geltung kommen und zu Überholmanövern führen, da der zeitlich begrenzte Kers-Einsatz des vorausfahrenden Piloten (nicht wie in Melbourne) über die gesamte Gerade hinweg genutzt werden kann.

Auch die im Vorfeld scharf kritisierten neuen Pirelli-Einheitsreifen schlugen sich bei ihrem Debüt deutlich besser als befürchtet. Der nach wenigen Runden prognostizierte Einbruch der Reifen passierte nicht, so dass die Boxenstopp-Flut ausblieb. Der ursprünglich Siebtplatzierte Mexikaner Sergio Perez kam nach einem hervorragenden Debütrennen sogar mit einem Reifenwechsel über die Runden, während die drei Bestplatzierten je zweimal neue Reifen ausfassten. Die Aussentemperaturen kamen der Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Pneus dabei ebenso entgegen wie die Streckenführung im australischen Albert Park.

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