Die Saisonvorbereitungen der elf Formel-1 Teams laufen zur Zeit auf Hochtouren und obwohl es noch ein Monat bis zum ersten Weltmeisterschaftslauf im australischen Melbourne ist, lässt sich das derzeitige Kräfteverhältnis in der Formel-1 erkennen.
Ferrari der Top-Favorit
Trotz erneuter Umstrukturierung und Neubesetzung des Postens des Ferrari-Teamchefs durch Stefano Domenicali, der den Franzosen Jean Todt, nach über 14 äußerst erfolgreichen Jahren, ablöst, stellt sich der Titelverteidiger aus Maranello derzeit in Topform dar.
Die bei den bisherigen Testfahrten gefahrenen Zeiten lassen den amtierenden Weltmeister Kimi Räikkönen auf die erfolgreiche Titelverteidigung hoffen. Der 28-jährige Finne scheint durch seinen überraschenden Titelgewinn 2007 gereift und selbstbewusster zu Werke zu gehen, was ihn zu dem Fahrer macht, den es in der bevostehenden Saison zu schlagen gilt. Auch im teaminternen Duell gegen den Brasilianer Felipe Massa scheint Räikkönen seit dem letzten Drittel der vergangenen Saison die Oberhand gewonnen zu haben.
Knapp hinter Ferrari folgt das McLaren-Mercedes Team, das wegen der Folgen der Spionageaffäre, vorallem aber wegen des Teamwechsels des zweimaligen Weltmeisters Fernando Alonso zu Renault, Federn lassen musste. Alonsos Fähigkeiten ein Auto zu entwickeln und sämtliche Teammitglieder zu motivieren werden dem Rennstall aus dem englischen Woking definitiv fehlen. Der Superstar der vergangenen Saison, Lewis Hamilton, muss erst noch zeigen, dass er ein Team führen und auf der Entwicklungsseite in die richtige Richtung lenken kann. Sein neuer Teamkollege Heikki Kovalainen wird es schwer gegen Hamilton haben und circa ein Zehntel pro Runde hinter Hamilton liegen.
BMW-Sauber schwächelt
Eine kleine Lücke, von in etwa fünf Zehntel Sekunden, tut sich hinter McLaren auf, bis das noch immer recht junge Team von BMW-Sauber folgt. Dort gibt es derzeit einige Probleme mit dem Handling des Fahrzeugs, so dass der Abstand auf das Duo Ferrari und McLaren nicht verringert werden konnte. Mit dem etwas kritisch zu fahrenden Auto scheint zudem der junge Pole Kubica besser zurecht zu kommen als der Mönchengladbacher Nick Heidfeld, der etwas an Boden auf seinen Teamkollegen zu verlieren scheint.
BMW-Sauber führt eine Gruppe bestehend aus Williams-Toyota, Renault und Red Bull an, die allesamt für regelmässige Punkteplatzierungen gut sind. Im Fall von Renault wird der Rückkehrer Alonso wieder erfolgreichere Zeiten einleuten, als dies in der abgelaufenen Saison der Fall war. Renault sollte ab Saisonmitte für Podestplätze gut sein.
Williams auf dem Weg zurück
Das Williams-Team um Nico Rosberg könnte die Überraschung der kommenden Saison werden. Schnell war das Auto in den vergangenen beiden Jahren zwar auch, aber an der Zuverlässigkeit haperte es, so dass dem Traditionsrennstall aus dem englischen Grove viele Punkte verloren gingen. Bei den bisherigen Testfahrten zeigte sich neben einem beeindruckenden Speed auch die nötige Standfestigkeit, was dem Rennstall im Jahr seines 30-jährigen Bestehens helfen sollte, wieder den Anschluss an die Spitze zu schaffen.
Bei Red Bull macht sich die Arbeit des Techniker-Stabes um Adrian Newey bemerkbar, die allmählich erste Früchte tragen sollte.
Hinter Red Bull folgt auch schon das Schwesterteam von Toro Rosso, die die ersten Läufe mit einem überarbeiteten Vorjahreswagen bestreiten werden, um dort von dessen ausgereifter Technik und Standfestigkeit zu profitieren. Bei Toro Rosso wird es einen interessanten teaminternen Zweikampf zwischen dem jungen Heppenheimer Sebastian Vettel und dem vierfachen Champcar-Meister Sebastien Bourdais geben, der, nach langen Jahren des Wartens, endlich sein Debüt in der Formel-1 geben wird, bei dem Vettel knapp die Oberhand behalten sollte.
Toyota und Honda stagnieren
In dieser Gruppe wird sich einmal mehr auch Toyota einfinden, die aufgrund von aerodynamischen Defiziten auch dieses Jahr über vereinzelte Punktgewinne nicht hinaus kommen werden. Das diesjährige Fahrzeug der Kölner-Japaner ist schlicht und ergreifend zu konservativ designt und im Vergleich zu den Fahrzeugen der Mitkonkurrenten fast schon antiquiert.
Bei Honda wird auch nach der Ankunft des neuen Teamchefs Ross Brawn nicht allzu viel zusammenlaufen. Das Team wird erneut auf den hinteren Plätzen in der Startaufstellung zu finden sein und nicht in den Kampf um Podestplätze eingreifen können. Erst im kommenden Jahr wird die Arbeit von Ross Brawn erste Früchte tragen. Sein Einfluss auf das 08er Auto war, wegen seiner späten Ankunft im Team, zu gering.
Am Ende des Feldes tummeln sich das chronisch finanzschwache Team von Super Aguri, das dem Spyker-Nachfolgerennstall Force India hinterher fahren wird. Während Force India durch den neuen Besitzer auf finanziell gesicherten Beinen steht, sieht es bei Super Aguri diesbezüglich recht düster aus. Wenn das finanzstarke Schwesterteam Honda seine Zahlungen einstellt, wird der japanische Rennstall um Ex-Formel-1-Fahrer Aguri Suzuki seine dritte Saison in der Königsklasse wohl nicht zu Ende fahren können.
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