Der Spanier Fernando Alonso konnte mit seinem vierten Saisonsieg nicht nur den Rückstand auf den in der WM führenden Mark Webber auf 11 Punkte verkürzen, sondern er überholte in der ewigen Bestenliste mit seinem 25. Grand Prix-Sieg den fünfachen Weltmeister Juan Manuel Fangio und zog mit Niki Lauda und Jim Clark gleich.
Alonso profitiert von Vettels konservativer Herangehensweise
Beim nunmehr dritten Nacht-Grand Prix in Singapur, dem 14. Lauf zur diesjährigen Formel 1-Weltmeisterschaft, gelang dem zweifachen spanischen Ex-Weltmeister Alonso ein souveräner Start-Ziel-Sieg, bei dem ihm lediglich Red Bull-Renault-Pilot Sebastian Vettel folgen konnte. Der 23-jährige Heppenheimer jagte den sechs Jahre älteren Ferrari-Fahrer vom Start bis ins Ziel, konnte dabei allerdings die leichte Überlegenheit seines Red Bull nicht in einen Sieg umwandeln. Auf der spektakulären Strecke im südostasiatischen Stadtstaat boten sich Vettel lediglich zwei gute Möglichkeiten, um die Spitze von Alonso zu übernehmen.
Beim Start steckte Vettel allerdings zurück, obwohl er beim Sprint in die erste Kurve leicht besser wegkam, als sein Kontrahent im Ferrari. Alonso machte zwar die Innenspur zu, doch Vettel war bereits auf Höhe seines linken Hinterrades, als der Deutsche leicht vom Gas ging und die Spur wechselte. Hätte der Deutsche nicht zurückgezogen und wäre er über die Boxengassenausfahrt ausgewichen, wäre er womöglich vor Alonso in die erste Kurve eingebogen. Eine weitere Möglichkeit bot sie beim einzigen Boxenstopp, den beide Piloten zeitgleich absolvierten. Unabhängig von einem kleinen Konzentrationsfehler Vettels beim Anfahren, als er versehentlich im zweiten Gang losfuhr, hätte Red Bull den Deutschen länger mit den weichen Reifen fahren lassen sollen, nachdem Alonso in die Box abgebogen war. Auf diese Weise hätte Vettel mit dem leicht schnelleren Red Bull womöglich die nötige Zeit auf Alonso gutgemacht und wäre in Führung gegangen. Meiner Ansicht nach hat Red Bull bei Vettel zu konservativ reagiert.
Die risikofreudigere Strategie bei Vettels Teamkollegen, Mark Webber, ging hingegen auf. Der Kommandostand beorderte den WM-Spitzenreiter aus Australien direkt zu Beginn des Rennens, während der ersten von insgesamt zwei Safety-Car-Phasen, an die Box, um früh seinen Pflichtboxenstopp abzuleisten. Mit diesem Taktikkniff konnte Webber seine beiden direkten Kontrahenten im Kampf um den diesjährigen Weltmeistertitel, Hamilton und Button, in der Box überholen und seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf die beiden britischen McLaren-Piloten ausbauen.
Heidfeld mit solidem, aber sehr mutigem Comeback
Beim Singapur Grand Prix standen mit Rückkehrer Nick Heidfeld erstmals in der Geschichte der Formel 1 sieben deutschen Fahrer in der Startaufstellung zu einem Grand Prix. Heidfeld, der den von vornherein überschätzten Pedro de la Rosa bei Sauber ablöste, feierte in Singapur nach knapp elfmonatiger Rennpause sein Comeback in der Formel 1. Heidfeld hatte aufgrund des Testverbotes in der Formel 1 keine Gelegenheit den diesjährigen Sauber-Ferrari und die aktuelle Reifengeneration kennenzulernen. Der äusserst schwierige Stadtkurs in Singapur ist für einen solchen Fall zudem nicht gerade prädestiniert. Dennoch konnte der Mönchengladbacher seinen Rückstand auf seinen talentierten japanischen Teamkollgen, Kamui Kobayashi, einigermaßen im Rahmen halten, wenn auch eine kontinuierliche Steigerung von dem Deutschen zu erwarten sein muss.
Heidfeld, der bis zum Spätsommer Ersatzfahrer bei Mercedes GP gewesen ist und dann als Testfahrer in die Entwicklung der nächstjährigen Reifen von Pirelli wechselte, wäre meiner Ansicht nach besser beraten gewesen, das verlockende Angebot von Peter Sauber auszuschlagen und sich weiterhin auf die Reifenentwicklung bei Pirelli zu konzentrieren. Im Renneinsatz kann der 33-jährige mit einem für ihn weitgehend fremden Auto und ebenso unbekannten Reifen gegen den hocheingestuften Kobayashi nur verlieren und den Fortgang seiner Karriere dabei aufs Spiel setzen. Die Möglichkeiten im nächsten Jahr als Stammpilot in der Formel 1 unterzukommen, wären deutlich höher, wenn er sein Talent gepaart mit dem Know-How der nächstjährigen Reifengeneration bei Vertragsverhandlungen in die Wagschale geworfen hätte. Heidfeld wäre nämlich der einzige verfügbare Pilot, der bis zum Beginn der Testfahrten nach dem letzten Saisonlauf die Reifen kennt, was einen Vorteile den Kontrahenten gegenüber bedeutet und Heidfeld in eine sehr gute Position für die nächstjährige Saison manövriert hätte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen